1. Art Vienna

27. Feb. 2017 in Kunstmarkt, Kunstmesse

Rudolf Polanszky, „Deformationsfaltung, 2010, Foto: Galerie Konzett, Wien

Rudolf Polanszky, „Deformationsfaltung, 2010, Foto: Galerie Konzett, Wien

Die Wiener Messeverwirrungen gehen in die nächste Runde. Platzhirsch in Wien ist die Vienna Contemporary (VC) mit rund 100 internationalen Galerien, die im September in den Marxhallen stattfindet – in hervorragenden Räumen, die sich bestens bewährt haben. Allerdings sucht die Stadt Wien neue Konzepte für diese Immobilie, will möglicherweise die hohe Halle in zwei Etagen unterteilen. Was das in Zukunft für die VC bedeutet, bleibt abzuwarten. Die auf österreichische Kunst konzentrierte Art Austria musste dagegen gerade einen Raumwechsel vornehmen. Denn nach neun erfolgreichen Jahren im Leopold Museum wurde ihr Vertrag letztes Frühjahr gekündigt. Jetzt wird die Jubiläumsmesse am 23. März stattdessen im Palais Liechtenstein stattfinden. Den bestens eingeführten Standort der Art Austria im Leopold Museum hat dagegen die brandneue Art Vienna übernommen. Messebetreiber ist M.A.C. Hoffmann, Veranstalter der Art & Antique in der Wiener Hofburg und in Salzburg.

Alfred Hrdlicka, „Fussballspieler“, 1998, Bronze, Edition 30, Galerie Ernst Hilger

Alfred Hrdlicka, „Fussballspieler“, 1998, Bronze, Edition 30, Galerie Ernst Hilger

Anders als die Art Austria ist die Art Vienna international und schließt Kunst des 19. Jahrhunderts mit ein: ganze 6 Galerien sind nicht aus Österreich, darunter Damien Hirsts Shop „Other Criteria“, wo Liegestühle und Kaffeetassen mit Künstleraufdrucken verkauft werden. In Wien bietet der Shop hauptsächlich Hirst-Drucke in hoher Auflage zu niedrigen Preisen. Statt der geplanten 50 Aussteller konnte die Art Vienna nur 34 gewinnen. Obwohl sich Leopold-Direktor Hans-Peter Wipplinger sehr aktiv für die Messe einsetzte, entschied sich nahezu keine der renommierten Wiener Galerien für eine Teilnahme – im Gegenteil: Viele sind verärgert über teils erschreckende Qualität auf der 1. Art Vienna. Trotz der oft großzügigen Messestände sind die Wände allzu eng behängt, gerne mit plakativen Deko-Bildern. Skulpturen stehen bevorzugt in den Ecken.

Rudolf Goessl, „Nordlicht“, 1975, Galerie Jünger/© Ernst Kainerstorfer

Rudolf Goessl, „Nordlicht“, 1975, Galerie Jünger/© Ernst Kainerstorfer

Zu den wenigen Höhepunkten der Art Vienna gehört die Münchner Galerie Florian Sundheimer, die kaum bekannte Zeitgenossen mit Graphiken von Heroen der Kunstgeschichte wie Eugen Delacroix oder Giorgio Morandi zeigt – die Alten helfen den Jungen. Überzeugend ist auch die Einzelpräsentation von Rudolf Goessl. Galeristin Andrea Jünger beschreibt den 1929 geborenen Maler als einen den „ersten österreichischen Künstler, der sich mit Colour Field Painting und monochromer Malerei beschäftigte“ – Goessl sei der „Ahnherr“ von Künstlern wie Herbert Brandl. Zu sehen sind fast meditative Abstraktionen aus transparenten Farblasuren der 1970er Jahre.
Aber die Messe birgt auch einige Kuriositäten. So tritt die kleine Wiener Alternativmesse „Parallel“ hier als Kunsthändler auf – ein neues Geschäftsmodell für Messen? Gerald Hartinger Fine Arts (Wien) zeigt neben Basquiat und Streetart auch ein unverkäufliches Werk: Andy Wahrhols „New York Skyscrapers“. 1981 besuchte Donald Trump den Pop-Art Künstler. Trump wollte ein Bild seines damals noch im Bau befindlichen Trump Tower. Das Treffen blieb ohne expliziten Auftrag, trotzdem begann Warhol eine kleine Serie goldener, schwarzer und silberner Drucke – die Trump nicht farbenfroh genug waren: „I think Trump´s sort of cheap, I get that feeling“, schrieb Wahrhol später in sein Tagebuch. So aktuell das Werk ist, so erstaunlich ist die Erklärung einer Galeriemitarbeiterin für die Präsentation: Das Werk sei „selbst unter Kennern kaum geläufig“. Ob ein Museum der passende Ort ist für diese Kunstmesse?

Art Vienna, 23.-26.Februar 2017
veröffentlicht in: NZZ, 26.2.2017