1. Quadrinnale Düsseldorf 2006

17. Mai. 2006 in Biennalen

 Quadriennale 06

Keiner weiß so recht, was das denn eigentlich ist, die „Quadriennale 06“ in Düsseldorf, obwohl bereits der Auftakt stattfand: die Verleihung des mit 55.000,- Euro dotierten, neuen „Kunstpreis der Landeshauptstadt Düsseldorf“ an Bruce Nauman. Der jährliche Preis trägt allerdings eher zur Verwirrung bei, findet die Quadriennale dem Namen entsprechend doch nur alle vier Jahre statt, der Preis dagegen soll jährlich verliehen werden.

Irritierend ist auch die Form der „ Quadriennale06 – Art City Düsseldorf“ als ein achtmonatiges Ausstellungsprogramm in acht Institutionen, mit kunsthistorischen Klassikern und Zeitgenossen, plus einem Symposium, einem „Pavillon der Bildhauerei“ unter der Leitung von zwei Malern (Markus Lüpertz, Jörg Immendorff) und Andreas Gurskys Fotografie „Neujahrsschwimmer“ im „XXL Format“, mit der die Veranstaltung bereits Ende letzten Jahres ein „erstes optisches Ausrufezeichen“ im Foyer des Hauptbahnhofs gesetzt hat. Versprechen uns nicht Kunst-Biennalen oder -Triennalen eigentlich genau das Gegenteil, nämlich zeitlich kompakt aufzutreten und zudem einen Überblick über zeitgenössische Kunst zu bieten? Nun, die Düsseldorfer Quadriennale ist eben gänzlich unkonventionell und immerhin stehen sämtliche Veranstaltungen unter einem gemeinsamen Thema: „Körper“.

Eigentlich erinnert dieses Konzept eher an den Ablauf einer Kulturhauptstadt – und in dieser Verbindung liegt offenbar auch die Entstehungsgeschichte. Die Idee zur Quadriennale wurde auf hoher politischer Ebene geboren: Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin entschied, 5 Mio. Euro zusätzlich zum bestehenden Kulturbudget zu investieren – statt ungefähr dieselbe Summe für eine aussichtslose Bewerbung zur Kulturhauptstadt auszugeben. Bedenkt man allerdings, dass die aktuelle Berlin Biennale allein von der Bundeskulturstiftung 2.5 Mio Euro erhielt, ist das keine gar so gewaltige Summe. Doch ohne diese zusätzlichen Mittel könnten etwa die umfangreiche Caravaggio-Ausstellung im Museum Kunst Palast oder auch Berlinde De Bruyckere / Martin Honert in der Kunsthalle und Teresa Margolles im Kunstverein in der jetzt geplanten Form niemals realisiert werden. Im K21 wird Juan Munoz, im K20 Kunstsammlung NRW Francis Bacon folgen.

Es ist immer riskant, eine Großausstellung auf rein politische Initiative hin zu veranstalten, die noch dazu ohne Intendanten auskommt und in kürzester Zeit konzipiert wurde. Ähnliches gilt auch für den Kunstpreis, dem sofort die Kritik entgegen schallte, dass immer wieder die Arriviertesten die höchstdotierten Preise abräumen. Doch hier hat die zehnköpfige Jury (u.a. Uwe M. Schneede, Armin Zweite, Markus Lüpertz, Anthony Cragg) schnell, einstimmig und auch überzeugend ob der Qualität und des Kontextes gewählt. Denn Nauman besucht die Stadt seit seiner ersten Ausstellung 1968 bei Konrad Fischer oft und gerne. Damals nahm er einen sehr billigen Flug und musste drei Wochen in Düsseldorf verbringen. All die Spaziergänge legten, so erzählte Nauman in seiner Rede zur Preisverleihung, die Grundlage für seine hohe Verbundenheit mit Düsseldorf. Eine Einzelausstellung mit Bruce Nauman wird im September im „NRW-Forum Kultur und Wirtschaft“ folgen – eine Institution, die bisher weniger zeitgenössische Kunst als Themen wie aktuell „Die Schlafbrille“ oder die umfangreiche Kollektion von „Modeprinzessin Vivienne Westwood“ zeigt. Die zeitliche Verschiebung zwischen Preisübergabe und Eröffnung entstand übrigens durch das Jury-Procedere: Jedes Mitglied konnte zwei KünstlerInnen vorschlagen – wer den Preis erhielt, war zum Zeitpunkt der Ausstellungsplanung noch nicht abzusehen.

Die Preisverleihung war also der Auftakt, Anfang April folgt die erste Ausstellung rund um die Düsseldorfer „Gruppe Zero“, deren großartige Lichtobjekte und Rauminstallationen der 50er und 60er Jahre Traditionen wie Gattungsgrenzen, Abbildhaftigkeit und klassische Materialien maßgeblich aufbrachen – ein interessanter Auftakt zum Thema ´Körper´. Die restlichen Ausstellungen werden dann erst ab dem 9.9. eröffnet, nacheinander, denn man rechnet mit einem hohen Besucheransturm aus dem In- und Ausland. Auch das eine interessante Annahme, denn die Künstlernamen allein garantieren ja noch keine erhöhte Aufmerksamkeit – wo liegt das Mehr gegenüber dem regulären Ausstellungsprogramm? Wo liegt das Profil der „Quadriennale“?

Auch wenn diese Fragen momentan noch nicht so leicht beantwortet werden können, so wäre es doch verfehlt, damit gleich das gesamte Projekt in Frage zu stellen. In Zeiten immer knapper werdender Kulturbudgets ist die Quadriennale eine absolut lobenswerte Initiative und vor allem eine Möglichkeitsform, die sich in den folgenden Jahren immer weiter entfalten kann. Noch war die Irritation wohl zu groß oder der Zeitraum zu kurz, als dass lokale Initiativen von Galerien bis zu freien Projekten sich mit eigenen Programmpunkten beteiligen. Aber das ist vorgesehen, und mit der „Quadriennale 06“ ist jetzt zumindest ein solider Rahmen gebaut.

 veröffentlicht in: www.artnet.de , 17. Mai 2006,  http://www.artnet.de/magazine/quadriennale-06-in-dusseldorf/

 

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