14. Architektur Biennale Venedig 2014: Österreich

12. Mrz. 2014 in Biennalen

Parlamentsmodelle, 14. Architektur Biennale Venedig 2014, Foto: Andreas Balon

Ein „hochpolitisches Thema“ sei es, betont Nationalratspräsidentin. In ihrem Haus, dem Parlament am Ring, fand die Pressekonferenz zum österreichischen Beitrag der 14. Architektur Biennale in Venedig statt. Thema heuer sind „Orte der Macht“: „Plenum. Places of power“, wie es Kommissär Christian Kühn betitelt.

Foto: Andreas Balon

Diese Orte sind konkret Parlamente. 200 dieser Architekturen aus aller Welt ieß er als Modelle anfertigen. Das Parlament als Haus jener Macht, die vom Volk ausgeht, ist erstaunlicherweise keineswegs auf demokratische Staaten begrenzt. Auch Diktaturen lassen diesen zumindest symbolischen Orte für die Versammlung des Volkes errichten. Aber wie stehen diese Bauten in Verbindung zu der Öffentlichkeit? Als Antwort darauf dienen die Modelle im Maßstab 1:500 – Architekturen, die schwere Botschaften tragen müssen, wie Architekturprofessor Kühn erklärt: „nationale Identität, ewige Dauer, Konformität mit historischen Leitbildern, aber auch zwanghafte Darstellung des Neubeginns“. Umso erstaunlicher, dass sich in vielen dieser Architekturen die „geopolitischen Kräfte“ bzw. die Dominanz der westlichen Kultur widerspiegelt: Säulen, Symmetrie, klassizistische Elemente finden sich von Afrika bis Asien. Einzig Osteuropa hatte versucht, eine eigene Sprache der Repräsentationsarchitektur zu entwickeln. Und nur ganz wenige Staaten integrieren ihre heimische Bauweise wie der Inselstaat Salomonen, östliche von Neu-Guniea.

Kommissär Christian Kühn. Foto: Andreas Balon

Nebeneinander aufgereiht wie „eine riesige Schmetterlingssammlung“ werden die Modelle in Venedig an den Wänden des Pavillons hängen und ihren Machtanspruch verlieren. Wie Masken sähen sie aus, erzählt Kühn – wo dann der Mehrwert dieser Präsentation liegen wird, ist eine der spannenden Fragen. Aber wer weiss, vielleicht wartet noch eine kleine, feine Abweichung auf uns – ähnlich der, die mit dem streng kontrollierten Biennale-Logo vorgenommen wurde: Die Graphiker des össterreichischen Beitrags, Büro Bauer aus Wien, kippten den roten Block ein wenig aus der Achse. Oder ist das eine Reaktion auf die strenge Symmetrie der geplanten Präsentation? Denn neben all den Masken-Modellen dominiert dann  in den beiden Flügeln Österreichs Architektur: rechts das österreichische Parlament, links zwei aktuelle Entwürfe von Coop Himmelb(l)au. Im Hof dazwischen erinnern Bäume (Auböck und Kárász) und eine Klanginstallation (Gruppe Kollektiv/Rauschen) an das Thema des Freiraums, an die Welt jenseits der Monumentalarchitektur – aber oft sich dieser Gedankensprung aus der Präsentation erschließen wird? Ob das alles zu einer stimmigen und verständlichen Ausstellung zusammenfinden kann?

Auböck und Kárász. Foto: Peter Reischer

 

Kollektiv/Rauschen

 

Architektur Biennale Venedig, 7.6.-23.11.2014