3. Beaufort Triennale 2009

02. Apr. 2009 in Biennalen

3.Beaufort Triennale, Nordseeküste Belgien, 28.3.-4.10.2009

Louis de Cordier

65 km lang ist die Nordseeküste in Belgien. Im 19.Jahrhundert der Inbegriff mondäner Sommerfrische, dominieren heute Appartmentburgen die Promenaden von De Panne bis Knokke. An einem der wenigen Dünenstücke mit Promenade steht wie eine Wächter Wim Delvoyes gotisch ziselierter Bagger aus Stahl, ein Hinweis auf die Bausünden, eine Aufforderung zum Stillstand. Die Skulptur entstand zur „1.Beaufort Triennale für zeitgenössische Kunst am Meer“ und gehört heute zu den mittlerweile acht Beiträgen, die bislang angekauft wurden.

Wim Delvoye

Heuer findet die 3.Edition dieser als touristische Attraktion gegründeten Triennale statt. In zehn Küstenorten platzieren 30 Künstler ihre Werke als unerwartete physische Erlebnisse und intellektuelle Herausforderungen am Strand oder im Ort, in den Dünen oder auf den Promenaden. Manche Werke sind wie Aeneas Wilders 12m hohe Holzkuppel als offene, kontemplative Räume angelegt, oder eröffnen wie Niek Kemps faszinierender Metallbau aus Gitterwänden ein komplexes Wechselspiel von Ein- und Durchblicken, dabei in der verschachtelten Konstruktion an eine Foto-Linse erinnernd. Andere schärfen die Blicke für die formalen Qualitäten der Umgebung, wenn Matt Mullican vor der Remise der Küsten-Straßenbahn Stahlplatten mit Liniengeflechten und Piktogrammen in den Boden einlässt oder Leonor Antunes 15 Badekabinen neu gestaltet und damit diese Strandmöblierung in

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den Fokus rückt.

Niek Kemps, Beaufort Triennale 2009

 

Leonor Antunes

Gemeinsames Thema der Beiträge ist die Geschichte der Küstenorte. Jedes Werk ist eingebettet in perfekte Wanderrouten durch die einzelnen Orte. Ein Guide informiert über historische Gebäude, führt zu den letzten Villen der Belle Epoque, zu Resten von Wasserburgen und kleinen Naturschutzgebieten. In einem spannenden Zusammenspiel von Stadtgeschichte und aktueller Kunst verbindet die Beaufort Triennale vielschichtig Gestern und Heute. Da ist es auch sehr wohltuend, dass die Skulpturen nicht durch eine plakative Bildlichkeit auffallen, sondern als oft autonome Skulpturen eine erhöhte ästhetische Aufmerksamkeit einfordern. Einzig Daniel Burens Wald aus 100 Flaggenmasten mit bunten, gestreiften Windhähnen ist schon von weitem zu sehen und dominiert laut und lustig den Strand. Sein Beitrag nimmt Bezug auf den Namen der Triennale, denn Francis Beaufort erfand 1806 die Skala für Windstärken, die jetzt mit Burens Installation eine unvergessliche Verbildlichung erhalten hat.

 

Daniel Buren

 

 

 

Robert Kusmirovski

publiziert in: www.artforum.com, Critic´s Pick

 

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