7 Künstlerinnen aus arabischen Ländern: „Some Stories“, Kunsthalle Wien 2005

24. Apr. 2005 in Ausstellungen

 „Some Stories“ in der Kunsthalle Wien

Sieben Künstlerinnen aus islamisch-arabischen Ländern präsentieren in der Kunsthalle Wien ihre Vorstellungen von weiblicher Identität. Ein spannendes Konzept, erwarten wir doch hier eine gemeinsame, exotische Ausgangslage: dieselbe geografische Region, nämlich Morgenland; dieselbe Religion, nämlich Islam; dieselben kulturellen Voraussetzungen, nämlich religiös bestimmtes Bilderverbot. Das Ganze wird noch dazu abgesichert durch die ungarisch-syrische Kuratorin (und Künstlerin) Roza El-Hassan, zusammen mit Kunsthallen-Direktor Gerald Matt. Tatsächlich aber stimmt keiner der gemeinsamen Nenner – und keine der teilnehmenden Künstlerinnen wollte sich so einfach in unsere Vorurteile fügen. Fatima ungeduldig oder ähnliche anspielungsreiche Ausstellungstitel wurden heftig abgelehnt. Zu unterschiedlich sind Kontext und Geschichten der acht Künstlerinnen, ihre Bildsprachen, ihr Eigenbild. Also heißt die Ausstellung jetzt schlicht Some stories.

Und genau das ist auch zu sehen: Eine durchaus spannungsgeladene Situation voller Einzelerzählungen. Vier große, doppelseitig bespielte Leinwände hängen im dunklen Raum. Gleich am Eingang sehen wir in Gülsün Karamustafas (Türkei) Video Hände, die fleißig Spitzendeckchen falten. Lust oder Zwang? Das ist hier ähnlich schwer zu entscheiden wie bei den beklemmenden Bildern von Amal Kenawy (Ägypten). Mit Hochzeitshandschuhen bekleidete Hände sticken Ornamente in ein deutlich pochendes Herz. Damit geht aber nicht eine vorschnell angenommene Kritik an Hochzeitsritualen einher. Kenawy spricht davon, eine Welt zu untersuchen, „wo Traum und Wirklichkeit, Fantasie und Erinnerung ineinander übergehen.“

Obsession oder Kritik, Ritual oder Fiktion, Dokumentation oder Erzählung? Allzu wenig wissen wir, um das zu entscheiden, zum Bespiel über die Hintergründe der gefilmten Gespräche (Diana El Jeiroudi, Zineb Sedira, Mona Hatoum, Nura) oder über fremde Gebräuche wie etwa bei den eindringlichen, höchst ästhetischen Bildern Shirin Neshats. Immer wieder verirren wir uns in unseren westlichen Vorstellungen. So erinnert Lara Baladis (Ägypten) Video Shish Kebab mit der rasanten Bildcollage aus Mangafiguren, Tanzenden und Videofahrten entlang futuristischer Architektur an einen MTV-Videoclip, der als Klangteppich die exotische Atmosphäre der Ausstellung verstärkt. Weit gefehlt – Baladi interessiert sich für die stereotype Darstellung von Orten, für „Zonen kultureller Ambivalenz“ und will den Betrachter auffordern, „Fragen zum Mythos der Globalisierung zu stellen.“

Ein einheitliches islamisch-arabisches Selbstbild von Frauen, erst recht von Künstlerinnen, finden wir hier sicher nicht. Auch die angekündigten „Konstruktionen weiblicher Identität“ sind eher schwierig zu dechiffrieren – und vielleicht auch gar nicht das vordringliche Thema dieser Künstlerinnen. Stattdessen tauchen wir hier in intensive Bildwelten ein, die keine klare Trennung zwischen Wirklichkeit und Vorstellung ziehen, die uns eine Welt zwischen Bestandsaufnahme und Erzählung zeigen, die vor allem eins ist: im enormen Wandel.

Noch bis zum 24. April 2005 in der Kunsthalle Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien.

Veröffentlich in: www.artnet.de, 12. April 2005

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