Abu Dhabi Art 2010

08. Nov. 2010 in Kunstmesse

Abu Dhabi Art Fair 2010 – Abu Dhabis Arabeske

„Much more than just an art fair“, so lautete das Motto der diesjährigen Abu Dhabi Art 2010, die Anfang November stattfand. Vor vier Jahren gründete die französische Messe Artparis die Tochterveranstaltung in Abu Dhabi, dem größten und reichsten, gut 150 km südlich von Dubai gelegenen Emirat. Kooperationen mit Frankreich haben in diesem Emirat bereits Tradition, eröffnete doch bereits 2006 hier die Paris Sorbonne Abu Dhabi (PSUAD).

2007 wird die Vertragsunterzeichnung mit dem Louvre verkündet, dass gegen eine Summe von kolportierten 700 Millionen Euro die Ausleihe einiger Werke und die Verwendung des Namens erlaubt und als Abu Dhabi Louvre auf der natürlichen Insel Saadiyat Island entsteht. Im Mai 2009 dann wurde Frankreichs militärischer Stützpunkt in Abu Dhabi eingeweiht. Diese Marinebasis ist von enormer strategischer Bedeutung, da durch die „Strasse von Hormuz“ 40 Prozent des weltweit transportierten Erdöls geschifft werden.

Nach zwei Messejahren allerdings wurde der Veranstalter abgelöst. Seit letztem Jahr sind es nicht mehr Europäer, sondern die Emirat eigenen Organisatoren TDIC und ADACH, die die Art Paris Abu Dhabi in Abu Dhabi Art umbenannten und der Messe eine neue Bedeutung geben. Schirmherr ist seither der einflussreiche Kronprinz von Abu Dhabi. Dieser Wechsel ist ein entscheidender Schritt, wie die deutsche Galeristin Brigitte Schenk betont. Als langjährige Kennerin der Emirate, Beraterin der Kunstsammlung des Emirats Sharjah und treue Teilnehmerin der Abu Dhabi Art Fair erklärt sie, es sei ein enormer Unterschied, ob westliche Organisatoren oder der Emirat von Abu Dhabi einladen – und noch dazu wie dieses Jahr die Galerien in seinen Palast zu einem Dinner bittet. Denn durch diese neue Struktur kämen jetzt sämtliche Sammler der Emirate zur Messe – und kaufen dort auch.

Vor allem also hat sich die Ausrichtung geändert. Die Messe ist auf 48 Galerien verkleinert und soll jetzt als internationale Plattform für moderne und zeitgenössische Kunst dienen. Darin grenzt sich die Abu Dhabi Art Fair deutlich von der bereits 2006 gegründeten Art Dubai im Nachbaremirat ab. Dort wird im mittleren Preissegment hauptsächlich Zeitgenössisches mit Schwerpunkt auf Kunst der Region geboten. In Abu Dhabi dagegen zeigen die Schwergewichte des westlichen Kunsthandels Hochpreisiges, das oft erst weit über 1 Million Dollar beginnt wie Frank Stellas 15 Meter langes Damascus Gate (1970) bei Tony Shafrazi, die frühe Bodenskulptur von Donald Judd bei David Zwirner oder Damien Hirsts goldenes Regal mit Edelsteinen bei White Cube. Stolz erklärt die Galerie, dass dieses Werk bereits verkauft sei – an die Ehefrau des königlichen Schirmherrn. Sofort verkauft war auch Anish Kapoors Spiegel mit 2 Meter Durchmesser bei Kamel Mennour für 1.5 Mio. Dollar, Tony Craggs Skulptur bei Thaddaeus Ropac für 245.000 US-Dollar und Robert Rauschenberg bei Gagosian für 5 Mio. US-Dollar.

Allerdings wird auf diesen Ständen auch deutlich, dass die westlichen Händler noch die passende Ware für diesen Markt suchen. Sind es hier vor allem Blue Chips, setzen andere allzu klischeehaft auf Pferde und Falken, auf Goldenes und immer wieder auf Shirin Neshat. Die meisten Verkäufe dagegen verzeichnen auf dieser vierten bzw. zweiten Abu Dhabi Artfair Galerien der Region mit Werken arabischer und iranischer Künstler und Künstlerinnen zwischen 10.000 und 100.000 US-Dollar, wie Nabil Nahas bei Agial Art Gallery (Beirut), Abdulnasser Gharem bei Traffic (Dubai) oder auch Ekrem Yalcindag bei Dirimart (Istanbul). Es wäre ja auch mehr als verwunderlich, wenn die noch vergleichsweise jungen Käufer dieser Region bei Preisen jenseits der erweiterten Taschengeld-Grenze zu sammeln beginnen. Genauso erstaunlich wäre es, wenn diese Sammler ihr Geld hauptsächlich in westliche Kunst stecken würden, wo doch gerade auf den Messen in den Emiraten großartige Werke der Region angeboten werden. Wie groß vor allem das Interesse an iranischer Kunst ist, zeigte die Charity-Auktion der non-profit-Organisation Magic of Persia, die am vierten Messetag im exklusiven Yas-Hotel direkt neben der neuen Formel 1-Rennstrecke stattfand. 350 US-Dollar kosteten die Karten für das Gala-Dinner, allein in der Silent Auction kamen 246.100 US-Dollar zusammen plus noch einmal fast eine Million Dollar für die knapp hundert Lose, die von den 470, meist jungen Gästen in der offenen Auktion schnell hochgesteigert wurden.

Es ist aber nicht nur die Kaufbereitschaft der privaten Sammler, auf die die Galerien hier setzen. Das betont auch die Galeristin Andrée Sfeir-Semmler. Entscheidend sei die Überlegung gewesen, ihre Künstler wie Akram Zaatari oder Walid Raad in die Museumssammlungen vor Ort zu bringen. Und genau darauf zielen auch die westlichen Händler-Schwergewichte, die mit Museumsankäufen vor allem des Guggenheim Abu Dhabi rechnen, das 2013 auf Saadiyat Island eröffnet werden soll. Die entstehenden Museen sind Teil des Plans, Abu Dhabi bis zum Jahr 2013 zu einer der fünf wichtigsten Kulturstädte der Welt zu machen. Aber ist es nicht mehr als unwahrscheinlich, dass das Guggenheim hauptsächlich mit westlicher Kunst des 20. Jahrhunderts gefüllt wird? Wie überhaupt kann ein Museum des 21. Jahrhunderts aussehen? Und in welchem Kontext werden diese Museen stehen? Genau auf diese Frage zielt die Neupositionierung dieser Kunstmesse mit den Vorträgen und Workshops, mit der parallelen Ausstellung „Opening the Doors: Collecting Middle Eastern Art“ und dem Design-Forum.

„Viel mehr als eine Kunstmesse“ – konkret heißt dieses Motto den Aufbau einer lebendigen Kunstwelt in Abu Dhabi. Ob dabei die führenden westlichen Kunsthändler wirklich einen entscheidenden Beitrag leisten können, ist eine weitere interessante Frage, die wir mit jeder weiteren Ausgabe der Abu Dhabi Art, spätestens aber zur Eröffnung der Museen beantwortet finden werden.

Abu Dhabi Art 2010. Vom 4. bis 7. November 2010

 veröffentlicht in: www.artnet.de, 8.11.2010

http://www.artnet.de/magazine/abu-dhabi-art-fair-2010/

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