Damien Hirst in Doha: Konsumrausch und Punkte

23. Nov. 2013 in Ausstellungen

Es ist die erste Ausstellung von Superstar Damien Hirst in Doha.  Gleich am Eingang musste ich erst einmal meinen Fotoapparat abgeben. Auch die Mineralwasserflasche. Damien Hirsts Retrospektive ist gesichert wie ein Flughafen. Innen dann fotografierten all die SchülerInnen völlig legal  mit ihren iPhones und iPads – eine interessante Regelung! So also hier nur ein paar Aufnahmen von Hirsts gewaltigem Merchandising-Aufwand rundum und im Vorraum:

Prada-Zelt, Doha

Vor dem Ausstellungshaus zwei Zelte, eines Prada, das andere eine Art Apotheken-Saftbar.

Mit Prada hatte Hirst eine 20er Edition scheußlicher Handtaschen produziert, die in einer silent auction verkauft wurden.

Prada x Damien Hirst Entomology Bags, 2013

Also ist dieses Zelt jetzt leer. Das andere Zelt bietet zwar Säfte an, aber Besucher scheinen sich nur selten einzufinden.

Umso vollgestopfter ist Hirsts Konsumshop, durchgebrandet von der Tapete bis zur Raumdeko, Skelette natürlich.

Wie viel Konsumfreude Hirsts Angebot erzeugt, konnte mir leider niemand beantworten. Zu kaufen gibt es bei Damien Hirst in Doha  jedenfalls genug, in jeder Preisklasse: Von gepunkteten Teppichen, Uhren, Handtüchern, Schmuck, Schreibblocks, Stiften, Liegestühlen mit Schmetterlingen – wer legt sich hier denn in die Sonne?

… bis zu Bildern natürlich, gerahmt und fröhlich dekorativ:

 

Alles vor allem: bunt.

Gegenüber vom Hirst-Shop sein Hirst-Cafe, mit Konterfei des Künstlers als Apotheker. Damien Hirst in Doha ist ein ganzes Kaufhausuniversum.

Bei solch einer Menge an Vermarktungsideen braucht es wohl tatsächlich keine Galerie mehr – wie auch sollte deren Anteil am Merchandising geregelt sein? Neue Herausforderungen kommen da in den Kunsthandel … erinnert an Friedensreich Hundertwasser, der schon in den 1970ern in Kaufhäuser expandierte.

Und die Ausstellung? Eine riesige Retrospektive: Dot-Paintings, Vitrinen mit eingelegten Haien und Kälbern, schwarzem Schaf, einer Taube, medizinischem Besteck, Regale mit Edelsteinen, in der Luft tanzende Bälle im bunten surrounding, Ornamente aus Schmetterlingen, alten Zigarettenkippen und tote Tierköpfe mit lebenden Fliegen – deren provokativer Gehalt nach all diesen steril-hübschen Dingen veschwunden ist. Hier überdeckt die Freude am Bunten und Dekorativen jeden anderen Inhalt – denn es denn jemals einen gab.