Essl: 44 Works at Christie´s

16. Okt. 2014 in Kunstmarkt

 „Essl: 44 Works“: Unter diesem Titel bot Christie´s in London Montag Abend Werke aus der Sammlung Essl an. Es war die wertvollste Privatsammlung, die in London bisher versteigert wurde. Es versprach ein spannender Abend zu werden, der obere Schätzwert lag bei 75 Millionen Euro, vorab erteilte das Auktionshaus der SE-Sammlungs GmbH (Hans Peter Haselsteiner hält 60 Prozent, Karlheinz Essl 40 Prozent) eine Garantie von 50 Millionen. Dann aber verlief der Abend unerwartet.

Zwar schoss gleich das Interesse für das erste Los in die Höhe: Anthony Gormleys 1.93 Meter große Skulptur „Aggregate“, die Essl 2004 bei White Cube in London gekauft hatte und die jetzt statt der geschätzten 190.000-250.000 Euro auf stolze 1.6 Mio Euro hochging.

Aber dann blieb das höchsttaxierte Werk, „Netz“ von Gerhard Richter, bei 7.3 Mio Euro hängen, erreichte damit nicht einmal den unteren Schätzpreis (11 – 16  Mio Euro). In der anschließenden Pressekonferenz wurde dann der Verkauf für 6,7 Mio. Euro mitgeteilt. Essl hatte es 1994 für 254.000 Euro ersteigert.

„Wolken“ (geschätzt auf 8 – 11 Mio Euro) dagegen brachte 7,9 Mio Euro. Der Baumax-Gründer hatte es 1997 für 552.000 Dollar bei Christie´s gekauft. Die höchsten Preise erzielten die fünf Werke von Sigmar Polke, einer der innovativsten Maler des 20. Jahrhunderts, der vor vier Jahren starb.

Bei Christie´s in New York erwarb der Sammler auch im Jahr 2000 Polkes „Arcimi Boldi“ (1984), das mit 1,3 Mio Euro bei einem Schätzpreis von 1 – 1,5 Mio Euro unter den Erwartungen blieb – wie so einige anderen Werke, darunter Frank Stella, Lucio Fontana und auch Neo Rauchs „Bergfest“, mit 690.000,- Euro beim unteren Schätzwert zugeschlagen. Die günstigsten Lose waren die beiden einzigen Österreicher, Friedensreich Hundertwasser (373.000,- Euro) und Maria Lassnig (230.000,- Euro), die als wichtigste Malerin in Europa im 20. Jahrhundert noch imme weit unter Preis gehandelt wird.

Nicht verkauft ist ein Werk von Kippenberger, die Skulptur von Chillida, ein zurückgezogener Gursky und das mechanische Schwein von Paul McCarthy. 

Vieles in dieser Auktion klingt nach einer enormen Wertsteigerung und das ist es auch. Aber erstens liegen zwischen Kauf und Verkauf bis zu zwanzig Jahre. Damals konnte man noch Werke von jungen KünstlerInnen für 1000 Schilling, heute also 70 Euro kaufen. Und zweitens müssen die über die Jahre entstandenen Kosten bedacht werden wie Versicherung, Lagergebühren, im Falle von Essl noch dazu ein komplettes Museum. Und drittens muss man die Ergebnisse im Vergleich sehen. Im Mai meldete die FAZ einen „Rekordregen“ in New York, wo Obertaxen von jüngeren KünstlerInnen wie Cady Noland oder Michael Riedel verdoppelt und verdreifacht wurden. Martin Kippenbergers Selbstportrait von 1988 ging dort für 16,5 Mio weg, ein asiatischer Telefonbieter war bereit, für Alexander Calders Mobile eines Fisches 23 Mio Dollar zu zahlen (Schätzpreis 9-12 Mio). Christie´s setzte an dem Abend 745 Mio Dollar um – ein Rekord. Dagegen verlief die Londoner Auktion gemäßigt, auch wenn Karlheinz Essl in der ZIB24 sagte: „Es haben 50 Prozent der Lose mehr als das obere Schätzvolumen erbracht – das ist eine Leistung, die enorm ist.“

Und viertens ist es spannend zu sehen, wer kauft und wer als Unterbieter die Preise mittreibt: Laut einem Auktionsbeobachter war bei Baselitz, Polke und Gormley u.a. der Salzburger Galerist Thaddaeus Ropac dabei, der auch das Werk von Lassnig kaufte. Bei Anish Kapoor zog die Lisson Gallery mit, bei Fontana, Boetti und Uecker der Mailänder Galerist Nicolo Cardi – Teilhaber seiner Galerie ist übrigens die Tochter von Silvio Berlusconi, Barbara.

Für Pistoletto erhielt Cardi den Zuschlag, der Galerist Per Skarstedt kaufte Kippenberger und Juan Munoz, die Kunstberaterin Amy Cappellazzo sicherte sich Polke und Baselitz, die Kunstberater Guggenheim Asher das Werk von Cecily Brown – ein beträchtlicher Teil der 39 verkauften Werke geht also in Händlerhände.

Viele Bilder von Superstars wie Gerhard Richter, Sigmar Polke, Martin Kippenberger, auch eine Skulptur von Georg Baselitz, dazu US-amerikanische Klassiker wie Morris Louis und Cindy Sherman kamen unter den Hammer. Der Qualität der Essl Sammlung habe der Verkauf aber nicht geschadet, betont Karlheinz Essl: Er habe noch „sehr viele Polke im Depot habe, die mindestens mit dem, was wir hier gezeigt haben, konkurrieren können,“ versicherte er am nächsten Morgen im „Morgenjournal“ auf Ö1.

 

 

 

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