EU-Ratsvorsitz Österreich

25. Jun. 2018 in News

dok_pressegespr_khm_bka_ar_25062018_08Irgendwo im Justus-Lipsius-Gebäude in Brüssel wird bald ein leuchtend-weißer Kubus stehen. Außen sieht man Innenansichten vom Wiener Kunsthistorischen Museum (KHM), innen strahlen uns Abbildungen aus den Museumssammlungen entgegen. Und vorne prangt eine hochherrschaftliche Krone. In dem Brüsseler Konferenz- und Pressezentrum sitzen die meisten Dienstnehmer des Sekretariats des Europäischen Rats – was will diese Krone ihnen mitteilen? Österreich übernimmt am 1.7. für die nächsten sechs Monaten den Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft, auf einer Pressekonferenz wurde gerade das Kulturprogramm vorgestellt, dessen Herzstück dieser Kubus ist.

Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums. BKA / Andy Wenzel

Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums. BKA / Andy Wenzel

Alle sechs Monate wechselt die Ratspräsidentschaft zwischen den EU-Mitgliedstaaten. Aufgabe der Vorsitzenden ist es, den Rat gegenüber anderen Instutitionen der Union zu vertreten, dazu die Organisation der Tagungen und wenn nötig das Ausarbeiten von Kompromissvorschlägen bei Unstimmigkeiten zwischen den Mitgliedstaaten. Diese offiziellen Aufgaben werden meist flankiert von Werbekampagnen für das gastgebende Land. Estland nutzte es beispielsweise für den inhaltlichen Schwerpunkte „digitale Entwicklungen“. Bulgarien rief das Motto „Einigkeit macht stark“ aus, und Österreich präsentiert ein Kulturprogramm. Die Metrostationen in Brüssel werden mit einem „musikalischen Gruß aus Österreich“ bespielt, wie es Kulturminister Gernot Blümel formuliert. Im September reisen die Wiener Philharmoniker nach Brüssel, im November folgt ein Konzert der Wiener Symphoniker. Im Kulturzentrum Bozar wird im Herbst die vom Belvedere organisierte Ausstellung „Beyond Klimt“ zu sehen sein und das KHM lässt das enorm erfolgreiche Format „Ganymed“ (von Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf) nach Brüssel touren: Vor den Bildern der Musees royaux des Beaux Arts werden Performances aufgeführt, die in Texten von Schriftstellern (u.a. Zadie Smith, Stefan Hertmans) die Sujets der Alten Meister aufgreifen. Insgesamt sind 30 Projekte geplant.

BKA / Andy Wenzel

BKA / Andy Wenzel

Das Herzstück des Kulturprogramms und Blümels persönliches „highlight“ aber ist der begehbare Leuchtkubus, auch „mobiles Minimuseum“ genannt. An einer Seite ist ein Ausschnitt aus Pieter Bruegels „Turmbau zu Babel“ zu sehen. Blümel sieht darin eine Anspielung auf das Vielsprachengemisch in der EU-Hauptstadt. Innen sind ausgewählte Werke aus der Sammlung des KHM aneinandergereiht, dazu gibt es rundherum noch einige „Satelliten“, die Themen wie “Freiheit des Handels“ anhand einer Replik von Tiepolos „Venezianische Postbarke“ thematisieren, „Demokratie & Reichsstaat“ mit einer griechischen Schüssel, „Bündnis & Frieden“ anhand von Rubens Schlachtengemälde. Die Bilder zusammen mit den Erklärungstexten „erzählen, wie sich Europa formiert und verändert hat“, erklärt KHM-Direktorin Sabine Haag. Im Haus in Wien ist zudem ein „Europapfad“ mit Gegenständen in der Schatzkammer eingerichtet, um die Devise der Union „In Vielfalt geeint“ aufzugreifen.

Reichskrone, Courtesy KHM Wien

Reichskrone, Courtesy KHM Wien

Und vorne auf dem Minimusum prangt diese Krone – warum nur eine Krone? Wofür steht diese berühmte Reichskrone, die Krone der Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs? Auch dieses Objekt befindet sich in der Sammlung des KHM, aber soll es im Rahmen der Ratspräsidentschaft für den Glauben an die Monarchie stehen? Oder an im Namen der Kirche und der Krone geführte Kriege erinnern? Dank der leuchtenden Edelsteine den Reichtum und Prunk der Kaiserreiche hochjubeln? Den religiös fundierten Führungsanspruch des Herrschers in Szene setzen, der mit der Krone unübersehbar manifestiert ist? Fritz Fischer, Direktor der Kaiserlichen Schatzkammer und Kunstkammer, korrigiert: Die Krone sei ein „politisches Symbol für die europäische Einheit und für kulturelle Vielfalt“. Denn in der Krone finden sich Bezüge zu Byzanz, es sei „gerade kein nationales, sondern überregionales Bild für Frieden“. Allerdings ist nichts davon genannt, die Krone leuchtet den Besuchern völlig unvermittelt entgegen. Aber halt: ein paar Worte stehen darüber: „Museum in a nutshell“ – ob dieser Marketing-Slogan die drohenden Missverständnisse auszuräumen vermag?