Katarina Gregos, Art Brussels April 2016

14. Mai. 2016 in Interview, Kunstmesse

Anne Vierstraete, Katarina Gregos // SBV

Anne Vierstraete, Katarina Gregos // SBV

Es war ihre letzte Messe und auf der Pressekonferenz hielt sie eine flammende Rede, geprägt von Zorn, von Enthusiasmus, von Zuversicht. Katarina Gregos hat die Messe erfolgreich vier Jahre als künstlerische Leiterin geführt, geprägt, hat den Wechsel in die tageslichthellen Hallen im Brüssels Innenstadt gemeistert, eine passende Ausstellungsarchitektur, eine schlüssige Aufteilung und sogar die schwierige Reduktion der Teilnehmer geschafft. Am Ende ihrer Rede schien sie erleichtert.
SBV: Ihre Abschiedsrede auf der Pressekonferenz klang, als wären Sie erleichtert, dass die Zeit als künstlerische Leiterin der Art Brusssels beendet ist?

Kristof Kintera // SBV

Kristof Kintera // SBV

Katerina Gregos: Es war nie als eine langfristige Aufgabe gedacht, ich wollte es immer auf wenige Jahre beschränken. Denn ich bin eine Kuratorin, eine unorthodoxe Messeleiterin. Ich bin froh über diese Zeit, ich bin stolz, was wir erreicht haben, ich habe viel gelernt über Raumlösungen, Galeristen, Egos, Machtspiele. Aber ich habe auch erfahren, wie viele engagierte Menschen in der kommerziellen Kunstwelt sind – die wird ja in der Welt der Kuratoren leicht dämonisiert. Aber egal wie man dazu steht, Kunstmessen sind heute ein wichtiger Teil des Systems.
SBV: Was war Ihre zentrale Haltung während der Kunstmessen-Leitung?
Katerina Gregos: Ich wollte das Rad nie neu erfinden. Aber ich wollte es soweit verbessern, wie es möglich ist.
SBV: Gehörte dazu auch die Sektion der kuratierten Galeriestände? Warum haben Sie die nach nur einem Jahr wieder aufgegeben?
Katerina Gregos: Es gab kaum Nachfrage von den Galerien.
SBV: Ist es denn eine sinnvolle Idee, Verkaufsstände zu kuratieren?
Katerina Gregos: Die Frage ist, wie man Kuratieren definiert. Das ist natürlich ein großer Unterschied gegenüber institutionellem Kuratieren.
SBV: Wie verstehen Sie Ihr Kuratieren als Messeleiterin?

Eingang mit Discovery Section // SBV

Eingang mit Discovery Section // SBV

Katerina Gregos: Hier ist es mehr die Art, wie man die Sektionen platziert und kombiniert, welche Kriterium abseits der kommerziellen beachtet werden, also welche Galerie, welcher Künstler wo sein will. Eine andere Übersetzung innerhalb des Messesystems ist die Sektion Solo und die Entscheidung, wer warum ausgewählt wird, oder auch die non-profit-spaces. Aber als Kuratorin gibt es auf einer Messe natürlich klare Grenzen.
SBV: Warum sind die Rediscovery-Stände zwischen die übrigen gemischt und nicht wie Discovery räumlich gebündelt?
Katerina Gregos: Meines Erachtens sollen diese Positionen einzeln erlebt werden. Wenn alle beisammen platziert sind, könnten sie sich gegenseitig neutralisieren. Es sind eher stille Positionen. Ich wollte sie lieber als Überraschungen über die Messe verteilen. Die zeitgenössischen Stände haben einen Rhythmus, ein Stakkato, die Discovery verlangsamen die Rezeption.
SBV: Die non-profit-Stände dagegen sind in einer Art Nebenhalle räumlich deutlich getrennt – warum?
Katerina Gregos: Das ist eine ganz andere Abteilung der Messe, dort ist auch der Lese-Bereich, ein Restaurant – dort ist eine ganz andere Dynamik.
SBV: Wird die non-profit-Sektionen auch nach Ihrer Zeit erhalten bleiben? Die ist ja unter den Galeristen eher umstritten und wird von einigen als überflüssig erachtet.
2016-04-21 13.35.00 KopieKaterina Gregos: Ich weiß es nicht. Es ist ein sehr erfolgreicher Bereich, wird in der Presse viel beachtet und bringt auch ganz andere Besucher für die Messe durch die dort engagierten, jungen Künstler und Kuratoren. Aber es stimmt, ich musste Anfangs stark dafür kämpfen. Die Stände sind kostenlos, wir laden die Räume ein. Anfangs war das Galerie-Komitee auch dagegen, Platz den Galerien wegzunehmen und zu verschenken. Aber ich finde es wichtig, jenen gegenüber generös zu sein, die ihre Werke nicht in kommerziellen Zusammenhängen präsentieren. Anfangs waren es sechs, jetzt sind es zehn Stände. Hier komme ich auch noch einmal auf die Frage des Kuratierens zurück: Ja, man kann auf einer Messe kuratieren, sich fragen, warum was wie getan wird. Und – auch wenn es naiv klingt – in die Messe eine bestimmte Objektivität zu bringen, die sonst nicht vorhanden ist. Das Komitee besteht ja nur aus Galerien – Galerien, die über Galerien entscheiden? Darum war auch eine meiner ersten Anfragen hier, eine Stimme in dem Komitee zu bekommen. Eine Kunstmesse ist ja nicht ausschließlich zum Verkaufen da, sondern auch, um sich zu informieren, um überrascht zu werden, um Neues zu sehen. Das ist der kuratorische Teil, der aber eben auch seine Grenzen hat.
SBV: Gab es nicht vor Ihrer Zeit auch belgische Sammler in dem Komitee?
Katerina Gregos: Ja, aber da entstanden Konflikte und ich habe das schnell geändert.
SBV: Ist die Parallelmesse Independent eine gravierende Konkurrenz?
Katerina Gregos: Konkurrenz ist kein Problem. Aber wir haben Wert darauf gelegt, eine Situation zu schaffen, wo man in den zwei Messen nichts zweimal sieht. Manche Galerien wollten auf beide Messen, aber die Art Brussels legt Wert auf eine exklusive Teilnahme.
SBV: Danke für das Gespräch!