Künstlernachlässe

08. Aug. 2016 in Kunstmarkt

Gunter Damisch, Ohne Titel, 2010, Courtesy Galerie Bei Der Albertina, Zetter, Wien

Gunter Damisch, Ohne Titel, 2010, Courtesy Galerie Bei Der Albertina, Zetter, Wien

Wir leben in einer Phase des „Memory Boom“. Statt Altgewordenes zu entsorgen, konservieren wir es als Relikte. Wir blicken zunehmend zurück und speichern die Vergangenheit in der Hoffnung, wesentliche Teile für die Zukunft zu sichern – und auf dieser Folie lässt sich auch das stetig steigende Interesse an Künstlernachlässen verstehen. Auf dem Kunstmarkt zeigt sich diese Tendenz deutlich: Im 20. Jahrhundert wurde so viel Kunst produziert wie selten zuvor – und die findet immer häufiger Eingang in die Galerien, die neben lebenden Akteuren auch Nachlasskünstler in ihr Programm aufnehmen.
Das allerdings klingt leichter als es tatsächlich ist. „Ich versuche jetzt einen Überblick zu bekommen, alles zu archivieren, Laden zu öffnen, in die Gunter nur Zeichnungen abgelegt hat, Tagebücher etc., in Wien und in Freidegg. Jeden Tag wird mir bewusst, wie viel er gearbeitet hat, immer, die ganze Zeit“, fasst Maria Damisch ihre Situation mit dem Nachlass des heuer im April verstorbenen Gunter Damisch zusammen. Ein Nachlass wirft zahlreiche Fragen auf und stellt die Erben vor eine große Herausforderung. Wie sollen die Menge an Entwürfen, Notizen, Dokumenten sortiert werden? Existiert eine Inventarisierung? Wie soll alles verwaltet und wie der Ruhm erhalten werden? Und von wem? Denn oft ist ein Nachlass emotional stark beladen. Für diese Situation erscheint jetzt im August ein ausführliches Handbuch. Herausgeberin ist Loretta Würtenberger, die eine ähnliche Situation erlebte. Als ihr Schwiegervater starb, entschied sie mit ihrem Mann Daniel Tümpel, den gesamten Nachlass des verstorbenen Silberschmieds und Industriedesigners einem Museum zu übergeben. Damit war aber zugleich eine neue Geschäftsidee geboren: 2008 übernahmen sie die Mitverantwortung für den Nachlass von Hans Arp und einigen weiteren, gründeten das Institute for Artists´ Estates (www.artists-estates.com) und wurden zu Spezialisten auf diesem Gebiet.