Louvre Abu Dhabi

13. Nov. 2016 in News

Courtesy of TDIC; Arcitect Ateliers Jean Nouvel

Courtesy of TDIC; Arcitect Ateliers Jean Nouvel

Kaum eine Minute vergeht, ohne dass jemand anklopft. „Wir sind in der Endphase, jetzt muss alles entschieden werden“, entschuldigt sich Manuel Rabaté. Wir sitzen im Büro des französischen Museumsmanns, der gerade zum Direktor des Louvre Abu Dhabi ernannt wurde. Im September ist es hier noch 38 Grad, trotzdem soll in dem Wüstenstaat ein Museum mit dem Namen des renommierten französischen Museums entstehen.

Modell des Zayed National Museum, Abu Dhabi // SBV

Modell des Zayed National Museum, Abu Dhabi // SBV

Angekündigt wurde das Projekt vor neun Jahren. Damals hieß es, bis 2013 sollten gleich fünf große Museen entstehen. Aber die Wirtschaftskrise 2012 ließ die Baukräne stillstehen, die Verträge mit Frank Gehry für das Abu Dhabi Guggenheim sind noch immer nicht finalisiert und ob das Performancecenter von Zaha Hadid und Tadeo Andos Meeresmuseum jemals gebaut werden, ist noch offen – das sei „Phase 2“, heißt es dazu. Fix ist nur das Zayed National Museum nach Plänen von Norman Foster, für das bereits die ersten baulichen Vorbereitungsarbeiten erledigt sind. Und eines ist schon nahezu fertig: das Louvre Abu Dhabi. Denn es wurde durch einen Staatsvertrag gesichert, der Frankreich mächtig Geld einbringt: Rund 500 Millionen Euro soll die Verwendung des Namens Louvre gekostet haben. Weitere rund 700 Millionen Euro müssen für Leihgaben, Ausstellungen und Beratung bezahlt werden.

Siegerentwurf des Guggenheim Helsinki: die Pariser Architekten Moreau Kusunoki

Entwurf des Guggenheim Helsinki derPariser Architekten Moreau Kusunoki

Museumskooperationen haben sich in den letzten Jahren zu einem neuen Geschäftsfeld entwickelt. Das prominenteste Beispiel ist das 1997 eröffnete Guggenheim Bilbao. Der futuristische Bau von Frank Gehrys gilt als Impulsgeber für einen erfolgreichen Strukturwandel der Region, bewirkte steigende Tourismuszahlen und einen hohen Imagegewinn der ehemaligen Industriemetropole – man spricht sogar vom „Guggenheim-Effekt“. Dabei wird oft vergessen, dass für diesen Effekt vieles zusammenwirken muss, darunter eine umfassende Investitionsstrategie für Verkehr, Handel bis Hotels, vor allem aber gesicherte öffentliche Gelder für das Museum. Erfolgreich ist daher das 2009 eröffnete Hermitage Amsterdam als holländischer Ableger des St. Petersburger Museums. Andere Satellitenmuseen scheiterten: Die Allianz zwischen dem New Yorker Guggenheim Museum und der St. Petersburg Hermitage endete in Las Vegas nach nur 7 Jahren, das Vilnius Guggenheim Hermitage Museum kam über eine teure Planungsphase nicht hinaus und die finnische Regierung lehnte gerade ab, 40 Millionen Dollar für den Bau des Guggenheim Helsinki aufzustellen. 2019 soll eine Hermitage Barcelona eröffnen, allerdings müssen die spanischen und russischen Investoren noch 38 Millionen Euro zur Finanzierung aufstellen. Angekündigt wurde gerade auch eine Filiale des Centre Pompidou in Brüssel für 2020 und eine Kooperation der Smithsonian Institution aus Washington mit dem Londoner Victoria and Albert Museum (V&A). Beschlossen wurde eine permanente Präsentation von US-Werken aus der Luftfahrttechnik bis Populärkultur in einem neuen „V&E East“-Gebäude, das auf dem neuen Kulturareal namens Olympicopolis 2021 oder 2022 fertiggestellt sein soll. Der ehemalige Londoner Bürgermeister Boris Johnson war ein großer Befürworter des Projekts, aber ob Sadiq Khan ebenfalls bereit sein wird, Millionen zu investieren? Denn das V&A soll sich um die operativen Kosten kümmern, Smithsonian wird nur das Budget für Ausstellungen aufbringen.
ajn_hw_abu_dhabi_louvre_12-tdic-architect-ateliers-jean-nouvel-kopie-2Allen Projekten gemeinsam ist, das die Museen nicht mehr dem Aufbau einer kulturellen Identität, sondern als Stadtmarketing dienen. Darum benötigen diese Kulturtempel eine spektakuläre Architektur. Auch Jean Nouvels Entwurf für das Louvre Abu Dhabi setzt auf diese Schiene. Von außen mag das Museum nahezu bescheiden wirken. 2-tdic-architect-ateliers-jean-nouvel-kuppelAber innen ist es überwältigend: Nach dem Gang durch die perfekt klimatisierten Empfangsräume steht man plötzlich auf einem großen, offenen Platz. In 30 Meter Höhe überspannt eine riesige, perforierte Kuppel die Ansammlung von vielen einzelnen Kuben, die wie eine kleine Stadt angeordnet und von Wasser umgeben sind. Auf dem Platz kann man sich dann entscheiden zwischen den Restaurants, dem Kindermuseum und den 23 Räumen für die permanente Sammlung – oder man genießt einfach nur das verzaubernde Lichtspiel des Daches in den „wilden Winden“, wie das natürliche Klima mitten im Museum genannt wird.

Manuel Rabaté © Abu Dhabi Tourism & Culture Authority

Manuel Rabaté © Abu Dhabi Tourism & Culture Authority

Aber nicht nur in dieser Architektur ist das Louvre Abu Dhabi einmalig. Auch die Sammlung folgt einem neuen Weg. Chronologisch angeordnet, wird in den perfekt klimatisierten Räumen in 12 Kapiteln eine gemeinsame Geschichte der Menschheit erzählt, die keine einzelne Religion oder Weltsicht bevorzugt, sondern zeigen will, was die Menschen verbindet. Gut 600 Exponate werden zu sehen sein, Anfangs rund die Hälfte Leihgaben aus französischen Museen, darunter Landkarten, Bücher, Münzen, Textilien, Drucke und natürlich Gemälde.

Hissa Al Dhaheri © Abu Dhabi Tourism & Culture Authority

Hissa Al Dhaheri © Abu Dhabi Tourism & Culture Authority

Die Ausstellung erzählt die Menschheitsgeschichte als „Kreuzung vieler Zivilisationen“, betont die stellvertretende Direktorin Hissa Al Dhaheri, mit Schwerpunkt Asien als „Blick von West nach Ost“. Noch umfasst die eigene Sammlung nur gut 600 Exponate. Es bleiben noch zehn Jahren zum Ausbau, dann läuft der Vertrag für Leihgaben aus Frankreich aus. In 30 Jahren endet der Vertrag für den Namen – ob das Haus dann „Universalmuseum Abu Dhabi“ heißen wird? Darüber will Direktor Rabaté noch nicht spekulieren, jetzt stehen die finalen Entscheidungen an. Rund sechs Monate braucht noch der Bau, rund vier Monate sind für die Installation der Sammlungen geplant. Wann die Eröffnung sein wird? Auch diese Entscheidung muss noch fallen.

Außenansicht Abu Dhabi Louvre. alle Architekturfotos © Abu Dhabi Tourism & Culture Authority, Architect Ateliers Jean Nouvel

Außenansicht Louvre Abu Dhabi. Alle Architekturfotos © Abu Dhabi Tourism & Culture Authority, Architect Ateliers Jean Nouvel

 

 

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