MAK, MUMOK & Kunsthalle Wien … und das Ende einer Galerie?

13. Jan. 2017 in News

VIENNA BIENNALE 2017, MAK © Vincent Fournier, 2016

VIENNA BIENNALE 2017, MAK © Vincent Fournier, 2016

Anfang Januar ist in Wien die Zeit der Jahrespressekonferenzen. Dann werden die kommenden Ausstellungen vorgestellt und ein Rückblick auf die Erfolge vermeldet. Gewöhnlich teilen die Museumsdirektoren zu diesem Anlass exakte Besucherzahlen, Eigendeckungsgrad, Schenkungen und ähnlich Informationen mit. Seit das Kulturministerium sich die Bekanntgabe der Besucherzahlen vorbehält, werden jetzt gleich sämtliche Fakten nur mehr in vagen Prozentzahlen angegeben: Der Eigendeckungsbetrag liege bei 30-35 %, die Verkäufe aus dem Museumsshop im MAK seien um 50 % gegenüber 2015, die Besucherzahlen um 10% gestiegen, teilte die wirtschaftliche Geschäftsführerin Teresa Mitterlehner-Marchesani mit.

Christoph Thun -Hohenstein, Teresa Mitterlehner-Marchesani, MAK, 2017 © Sabine Hauswirth/ MAK

Christoph Thun-Hohenstein, Teresa Mitterlehner-Marchesani, MAK, 2017. © Sabine Hauswirth/ MAK

Die Einnahmen entstammen aus den Eintrittserlösen, der Vermietung der Haupträume über zwei bis drei Monate pro Jahr und von Sponsoren, 2016 immerhin in Höhe von rund einer halben Millionen Euro. Die höheren Besucherzahlen sind offensichtlich vor allem dem eintrittsfreien Dienstag im MAK zuzurechnen, der 35 % aller Besucher ausmache. Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museum,  sprach von einer 42%-Steigerung der Sponsoringeinnahmen, die zuletzt bei rund 100.000 Euro lagen und nicht zuletzt dank der beiden Fundraising-Dinner 2015 350.000 Euro ausmachten. Die Einnahmen aus dem Shop beliefen sich sogar auf 3 Mio. Euro.
Im MUMOK wurden gar keine Fakten, keine konkreten Vergleiche genannt, sondern nur eine zahlenfreie Jubelmeldung: Die künstlerische Direktorin des MUMOK, Karola Kraus, betonte, dass sie 2016 die höchsten Ticketeinnahmen bisher verbuchen konnten. Lediglich Nicolaus Schafhausen von der Kunsthalle Wien wurde konkret: 64.020 Besucher kamen 2016. Das sind 5.891 weniger als im Vorjahr, in dem vor allem eine eintrittsfreie Ausstellung die Besucherzahl steigen ließ. Eine interessante Überlegung ließ Schafhausen nebenher fallen, wenn er anmerkte: „Wir müssen in Zukunft einen Schlüssel finden, um die Zahlen in den sozialen Netzwerken zu zählen“ und in die Gesamtsumme einzubauen – ob ein ´Gefällt Mir´-Click tatsächlich einem Ausstellungsbesuch, das Aufrufen einer You Tube-Aufzeichnung einem Vortragsbesuch entspricht? Auf jeden Fall wäre es eine wunderbare Chance, den politisch inszenierten Quotenwahnsinn ad absurdum zu führen.

How To Live Together: Tina Barney, The Antlers, 2001, Courtesy die Künsterlin und Paul Kasmin Gallery

How To Live Together: Tina Barney, The Antlers, 2001, Courtesy die Künsterlin und Paul Kasmin Gallery

Überraschend war Schafhausens Ankündigung, einen Förderverein gründen zu wollen. Bisher sei dieses Vorhaben daran gescheitert, dass anders als in Museen die Spenden an die Kunsthalle Wien steuerlich nicht absetzbar sind – was sich aber ändern werde, wie Schafhausen verriet.
Nahezu jede Kunstinstitution hat heute mindestens einen Freundeskreis. Für die Häuser bedeutet das stabile Einnahmen, für die Mitglieder ist es eine Art zeitgenössischer Kegelverein: von einem gemeinsamen Interesse geprägte Gruppenabende. Es geht um das Schaffen von Gemeinschaft. Dieser immer wichtiger werdende, zentrale Wunsch der Menschen kommt in der für den Sommer geplanten Gruppenschau der Kunsthalle Wien zur Sprache: „How To Live Together“ (24.5.-15-10.2017) „beschäftigt sich mit den fragilen individuellen wie gesellschaftlichen Bedingungen unseres Zusammenlebens“ – und damit mit einer der wichtigsten Fragen unserer Zeit. Eine Frage, zu der KünstlerInnen tatsächlich etwas beitragen können, da gerade mit den Mitteln der Kunst pluralistische Vorstellungen von Individuum und Gesellschaft entworfen werden.

Das Glas d. Architekten, Wien 1900–1937. Josef Hoffmann, Becher, formgeblasen. V. l. n. r.: gelbes Glas, 1923; violettes Glas, 1922; Ausführung: böhmische Manufaktur für die Wiener Werkstätte; © MAK

Das Glas d. Architekten, Wien 1900–1937. Josef Hoffmann, Becher, formgeblasen. V. l. n. r.: gelbes Glas, 1923; violettes Glas, 1922; Ausführung: böhmische Manufaktur für die Wiener Werkstätte; © MAK

Eine dezidiert gesellschaftspolitische Position nimmt auch der Kunstraum Niederösterreich mit seinem Jahresschwerpunkt „Grenzen und Territorien“ ein. Und MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein stellt sein Jahresprogramm unter das Motto „Von der Wegwerfgesellschaft zur Qualitätskultur“. Aber wäre das nicht eher die Aufgabe der Politik, wie es Schweden ja mit reduzierten Steuern auf Reparaturen vormacht? Was kann ein Museum dazu beitragen? Das MAK betont die Bedeutung des Handwerks: „Die Förderung einer neuen Kultur erschwinglicher Qualität ist ein wesentlicher Auftrag des MAK“, lautet die Antwort – etwa mit exquisiten Sammlungsobjekten in Glas-Ausstellungen („Das Glas des Architekten. Wien 1900-1937“, 18.1.-17.4.2017; Gläser der Empire- und Biedermeierzeit, 1.2.-17.4.). Überzeugend gesellschaftspolitisch ist tatsächlich das Thema der 2. Vienna Biennale: „Roboter. Arbeit. Unsere Zukunft“ (21.6.-1.10.2017), wozu „Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine“ gehört. Wir können gespannt sein auf die Ausblicke, welche Auswirkungen die künstliche Intelligenz auf unsere Gesellschaft haben wird und wie sich das jetzt bereits in den Künsten manifestiert.

Penny Slinger, Wedding Invitation –2 (Art is just a piece of Cake), 1973 S/W-Fotografie / b/w photography. © Penny Slinger / Courtesy of Gallery Broadway 1602, New York / SAMMLUNG VERBUND, Wien

Penny Slinger, Wedding Invitation –2 (Art is just a piece of Cake), 1973
S/W-Fotografie / b/w photography. © Penny Slinger / Courtesy of Gallery Broadway 1602, New York / SAMMLUNG VERBUND, Wien

Ein weitgehend kunstinternes Programm bietet das MUMOK für 2017 an, das zwei Höhepunkte verspricht: Als siebte Station wird die von Gabriele Schor konzipierte Wanderausstellung „Feministische Avantgarde der 1970er Jahre aus der Sammlung Verbund“ im MUMOK stationieren und mit 300 Werken einige zu Unrecht in Vergessenheit geratene Künstlerinnen wie Penny Slinger und Annegret Soltau, aber auch Cindy Sherman und Birgit Jürgenssen zeigen.

Annegret Soltau, Selbst, 1976/2005, s/w Fotografie auf Brytpapier, aus 14teiliger Serie. © Annegret Soltau/ Sammlung Verbund, Wien

Annegret Soltau, Selbst, 1976/2005, s/w Fotografie auf Brytpapier, aus 14teiliger Serie. © Annegret Soltau/ Sammlung Verbund, Wien

Spannend werden sicher auch die von Rainer Fuchs kuratierten „Naturgeschichten“, in denen er anhand ausgewählter Werke zeigt, wie Natur als Motiv zur Verschleierung benutzt wird und sich politische Situationen in zeitgenössischen Naturdarstellungen widerspiegeln (22.9.2017-14.3.2018). Und zu den Eröffnungen wird dann immer wieder einmal das „Cafe Hansi“ von Hans Schabus in Betrieb genommen: die „fantastisch-verrückte Bar“, die aus den Mitteln des MUMOK-Board von der Galerie Kerstin Engholm gekauft werden konnte. Die Galerie ist übrigens geschlossen, für einen einjährigen Sonderurlaub, heißt es – aber das ist ein eigenes Thema: die schon längst fällige Verjüngung mit neuen und der Verlust bestehender Galerien in Wien.

 

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