Neue Pläne für Istanbul + Singapur – Sandy Angus

20. Sep. 2015 in Kunstmesse

Konflikte zwischen Biennalen und Kunstmessen

interview_Portrait_Sandy Angus

Heuer fand die 2012 gegründete Kunstmesse Art International überraschend nur drei Tage lang statt- sind neue Streitigkeiten der Grud?

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Schon zur ersten Edition mit damals 62 Galerien musste die Messe mit Problemen kämpfen. Eigentlich sollte der Name „Art International Istanbul“ heißen. Aber der Gründer der bereits 2006 gegründeten, weitaus regionaleren und größeren Kunstmesse „Contemporary Istanbul“ kämpfte mit allen Mitteln gegen die neue Konkurrenz. Aufgrund einer Klage gegen den Namen mussten sämtliche Drucksorten eine Woche vor Eröffnung eingestampft und der Städtenamen entfernt werden. Auch letztes Jahr trat die Messe als ´Art International´(AI) auf. Ist die Laufzeitkürzung dieses Jahr auch eine Folge der ewigen Streitigkeiten? Messe-Co-Gründer Sandy Angus erklärt die Hintergründe.

Sakir Gökcebag, Hula Pop, Galerist // SBV

Sakir Gökcebag, Hula Pop, Galerist // SBV

 

Sandy Angus: Die künstlerische Leiterin der Biennale, Carolyn Chistov-Bakargiev (CCB), wollte verhindern, dass die Art International zur gleichen Zeit wie die Biennale eröffnet. Ich sehe aber keinerlei Konflikt zwischen den beiden Veranstaltungen – die ergänzen sich!

SBV: Hat CCB das direkt ausgesprochen oder haben Sie mit der Biennale-Organisation IKSV (Istanbul Foundation for Culture and Arts) gesprochen?

SA: Wir haben nie mit CCB verhandelt, aber mir schien, es ging von der Kuratorin aus. Es ist doch unaufrichtig, zu behaupten, die Messe sei kommerziell und die Biennale überhaupt nicht! Beides ist doch eng verbunden: Biennale benötigen die Galerien zur Finanzierung vieler Beiträge.

SBV: Das kann ich nur bestätigen. Während der Eröffnungstour erklärte uns eine Mitarbeiterin der Galerie Sonnabend, dass die Produktionskosten von Adrian Villar Rojas Skulpturen – rund eine Millionen Dollar – komplett von mehreren Galerien finanziert wurden. Auf die Frage, ob die Skulpturen anschließend verkauft werden, antwortete sie: „That´s the plan“ – also eine klare Verflechtung von Kunstmarkt und Biennale. Der Beitrag von Nikita Kadan ist durch die Galerie Waterside finanziert worden…

SA: … ja, es gibt einige Werke in der Biennale, die verkauft werden …

SBV: … darunter auch William Kentridges Installation in Adalar auf den Prinzeninseln, „Sentimental Machine“ ist bereits für das neue Koc-Museum gekauft. Was verlangte denn die Biennale, sollte die Kunstmesse komplett verschoben werden?

SA: Ja, wir sollten die Messe mindestens eine Woche später terminieren und haben uns schließlich darauf geeinigt, nicht am Donnerstag, sondern erst am Freitag nach den drei Tagen Biennale-Eröffnungen zu beginnen.

SBV: Letztes Jahr wurden 21.000 Eintrittskarten für die 2. Art International verkauft – ist da ein Tag weniger nicht ein finanzielles Problem für die Messe oder trifft es eher die Galerien?

 

c Art International Istanbul

c Art International Istanbul

SA: Wenn die Galerien gut verkaufen, ist es ihnen egal. Wenn es nicht gut läuft, werden sie wahrscheinlich mit der verkürzten Laufzeit argumentieren. Aber es gab keine andere Lösung, eine Verlängerung auf den Wochenanfang war keine Option. Im ersten Jahr gingen wir mit der Biennale den Kompromiss ein, am Wochenanfang zu beginnen – niemand kam, wir hatten rund 6000 Besucher. Letztes Jahr lief es dann sehr gut.

Ichwan Noor, The Beetle Sphere, 2013, DIRIMART // SBV

Ichwan Noor, The Beetle Sphere, 2013, DIRIMART // SBV

Rückläufige Verkäufe?

SBV: Waren die Verkäufe nicht gegenüber jenen im Vorjahr weit geringer?

SA: Ja, aber eher, weil die Galerien teilweise Werke zeigten, die keinen Anklang fanden. Dieses Jahr bieten wir den Galerien eine Beratung an, um den Geschmack der Region besser zu treffen.

SBV: Hängen die rückläufigen Verkäufe auch damit zusammen, dass im letzten Jahr das internationale Biennale-Publikum fehlte?

SA: Wir haben letztes Jahr sehr viele Menschen eingeladen – aber es wurde eben weniger gekauft. Ich glaube nicht, dass die Messe die Biennale unbedingt braucht. Als wir begannen, überlegten wir kurz, in jedem zweiten Jahr die Messe irgendwo anders in der Region abzuhalten, aber das werden wir nicht umsetzen.

SBV: Wie wollen Sie denn in Zukunft mit dem Biennale-Konflikt umgehen?

Rada Boukova, Sariev Contemporary // SBV

Rada Boukova, Sariev Contemporary // SBV

Expansionspläne

SA: Wir werden miteinander sprechen. Ich sehe diese Haltung als Fehler, die Besucher beider Veranstaltungen freuen sich über das erweiterte Angebot, das verdoppelt den Anreiz.

SBV: Dieses Jahr ist die Messe gewachsen, es nehmen 87 Galerien teil – soll die Art International noch größer werden?

SA: Wir haben einen weiteren Raum hinzugenommen und dafür den Eingang verlegt. Aber wir müssen aber noch weiter expandieren, um einen Gewinn aus der Messe zu erzielen. Bisher investieren wir vor allem in die Messe. 120 Galerien wären eine gute Zahl, dafür müssen wir dann aber temporäre Strukturen aufbauen.

Walid Siti, The Tower, 2015, Galerie Zilberman // SBV

Walid Siti, The Tower, 2015, Galerie Zilberman // SBV

Klage gewonnen!

SBV: Zur ersten Ausgabe 2013 wurden Sie von dem Inhaber der Kunstmesse „Contemporary Istanbul“ verklagt und durften den ursprünglich geplanten Namen „Art International Istanbul“ nicht führen. Ist das Verfahren unterdessen beendet?

SA: Ja, wir haben gewonnen – damit habe ich immer gerechnet. Jetzt können wir führen diesen Namen führen …

SBV: … aber auf allen Plakaten und Drucksorten steht nicht „AII“, sondern noch immer „AI“?

SA: Ich sehe die beiden Buchstaben als ´Art Istanbul´.

SBV: Die Messe in Istanbul legte 2012 einen überraschend erfolgreichen Start hin. Wie ist Ihre neugegründete Messe Art Central in Hong Kong gelaufen?

SA: Es war ein enormer Erfolg, damit hatten wir gar nicht gerechnet. Sehr viele Sammler kamen, ein Werk wurde sogar für 4 Millionen Euro verkauft. Jetzt überlegen wir, ob wir vielleicht eine Art Central in Singapur starten ... aber das ist noch nicht entschieden, vielleicht 2017 – wenn sich genügend Galerien dafür interessieren.

SBV: Vielen Dank für das Gespräch.

Karl Karner, Helius, 2015. Galerie Lisabird // SBV

Karl Karner, Helius, 2015. Galerie Lisabird // SBV