Sabrina Möller zur neuen Essl-Lösung: Win win für alle?

16. Feb. 2017 in News

Thomas Drozda (m.), Klaus Albrecht Schröder (l.) und Karlheinz Essl (r.). Foto Andy Wenzel

Thomas Drozda (m.), Klaus Albrecht Schröder (l.) und Karlheinz Essl (r.). Foto Andy Wenzel

„Das ist eines der besten Geschäfte, die die Republik je gemacht hat“, kommentierte Kulturminister Thomas Drozda während der Pressekonferenz am 16. Februar 2017 die Übernahme der Sammlung Essl als Dauerleihgabe bis 2044 durch die Albertina. Es sei „eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“, so Drozda. Doch ist das wirklich so?
Seitdem das Essl Museum in Klosterneuburg im Juli 2016 geschlossen werden musste, ist die Sammlung Essl in den Depots verschwunden. Nun geht eine der größten Privatsammlungen der Gegenwartskunst weltweit an die Albertina, die ihren Schwerpunkt auf Zeichnung und Grafik setzt, und nicht primär — wie das Mumok — auf Zeitgenössische Kunst. Bereits Ende 2015 kündigte Hans Peter Haselsteiner an, dass Werke aus der Sammlung Essl künftig auch im Künstlerhaus ausgestellt werden. Haselsteiner, der im Jahr 2014 60% der Sammlung Essl erworben hatte — und damit auch ihre Zukunft sicherte — ist auch für die Renovierung des Künstlerhauses am Karlsplatz wirtschaftlich verantwortlich. Knapp 30 Millionen Euro investiert er für die Sanierung des Gebäudes. Nachdem die Albertina ab Herbst 2018 auch das Erdgeschoss im Künstlerhaus bespielt, scheint der neue Standort der Sammlung klar. „Mit dieser Übernahme einer so umfangreichen Sammlung (…) muss und wird die Albertina auch ihren Tätigkeitsbereich um ein neues Ausstellungsformat, und ihren Radius um einen neuen Standort, erweitern“, so Schröder.

Am 16. Februar 2017 gab Kunst- und Kulturminister Thomas Drozda (r.) gemeinsam mit dem Direktor der Albertina Klaus Albrecht Schröder (l.) und Karlheinz Essl eine Pressekonferenz zur Übergabe der Sammlung Essl an die Albertina.

Am 16. Februar 2017 gab Kunst- und Kulturminister Thomas Drozda (r.) gemeinsam mit dem Direktor der Albertina Klaus Albrecht Schröder (l.) und Karlheinz Essl eine Pressekonferenz zur Übergabe der Sammlung Essl an die Albertina.

Das BKA begrüßt die Entscheidung zumindest und stellt für die Übernahme 1 Million Euro zur Verfügung, und im Anschluss jährlich 1.1 Millionen Euro. Eine Miete für die Räumlichkeiten im Künstlerhaus wird damit laut Schröder nicht abgedeckt, lediglich die Laufkosten für die Versicherung, Verwaltung und Betreuung der Werke. Der Rückzahlungsbedarf, mit dem die Sammlung jedoch aktuell noch belastet ist, ist noch nicht gedeckt. Essl äußerte sich auf Nachfrage nicht zu der noch offenen Summe. Ein Verkauf von ca. 100 Werken innerhalb eines Zeitraums von 10 Jahren sei vorgesehen. Ausgewählt werden die Werke gemeinsam mit der Albertina anhand der eigenen Sammlung. Eine Art „Dublettenverkauf“.
img_0226Dieses Mal möchte man die Werke in „gute Hände“ geben, und laut Essl nicht unbedingt auf große Auktionen zurückgreifen. Gemeint ist damit wohl die Versteigerung von 43 Werken aus der Sammlung bei Christie’s in London für 66 Millionen im Herbst 2014. Die übrigen ca. 5.900 Werke gehören zum Kernbestand der Sammlung und bleiben damit für den Zeitraum der Dauerleihgabe bis 2044 unangetastet.
Die Albertina hat für diesen Zeitraum sämtliche Rechte und kann damit auch über Leihgaben frei entscheiden. „Sofern kein Eigenbedarf besteht“ werden laut Schröder Werke aus der Sammlung den Landesmuseen für temporäre Ausstellungen als auch für deren Schausammlungen zur Verfügung gestellt. Damit sollen Lücken in den Sammlungen geschlossen werden, die die Museen aus eigener Kraft nicht füllen können. Das Mumok und das Belvedere, die in dem Übernahmeprozess nicht involviert sind, könnten dann auf solche Leihgaben zurückgreifen.
Doch was ist mit dem Museum in Klosterneuburg? Was passiert nun mit den Räumen? Darauf gab es heute keine Antwort. Lediglich das Depot wird die Albertina für die kommenden 10 Jahre übernehmen. Länger möchte man sich nicht festlegen, schließlich hofft man langfristig auf ein Zentraldepot durch den Bund. Wie die Zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus im Detail aussieht und inwieweit Haselsteiner dann auf die Sammlung zurückgreifen kann, ist ebenfalls nicht klar. Doch die Sammlung, die nun landesweit präsentiert wird, kann ihren Wert nur steigern. Und idealerweise — zumindest für Haselsteiner — wandert ein Teil der Sammlung nach Ablauf der Leihgabe in „sein Künstlerhaus“ zurück. Der größte Gewinner in diesem Deal ist jedoch die Albertina, die nun um ein „Flaggschiff“ erweitert wurde. Denn mit der beachtlichen Sammlung zählt die Albertina nun auch zu den Großen im Bereich der Gegenwartskunst — und kann landesweit an die Museen verleihen.
Sabrina Möller

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