Sammlung Deutsche Bank

28. Jul. 2016 in Kunstmarkt

Ingrid Pröller, Parallelwelten, Sammlung Deutsche Bank

Ingrid Pröller, Parallelwelten, Sammlung Deutsche Bank

Wenn Friedhelm Hütte von der Sammlung der Deutschen Bank spricht, dann nennt er es einen Tausch: „Wir tauschen Geld gegen tolle Kunst.“ Auf keinen Fall will er es als eine Form von Unterstützung sehen: „Man findet etwas gut, ein Werk, eine Ware, und kauft es. Das ist in jedem Geschäft dasselbe, wir sponsern ja auch nicht einen Bäcker mit dem Kauf von Brot.“ Seit 1979 wird angekauft, Anfangs nur aus Deutschland, aber in den letzten 15 Jahren ist die Bank „zu einem globalen Unternehmen geworden, da macht die ursprüngliche Beschränkung keinen Sinn mehr.“ Was aber nach wie vor gilt, ist die Konzentration auf Papierarbeiten nach ´45. Für diesen Fokus haben sie „die bedeutendste Sammlung in der Welt“, betont Hütte. „Damit bleiben wir nach wie vor in einer Nische und treten auch nicht in Konkurrenz zu Museen.“
Friedhelm Hütte arbeitet seit 1986 in der Kunstabteilung der Deutschen Bank, heute als Global Head of Art. Die rund 56.000 Werke in 900 Liegenschaften bilden eine der größten Corporate Collections weltweit. Firmensammlungen sind ein enorm expandierender Bereich des Kunstmarktes, der vor allem für Unternehmen im tertiären Sektor attraktiv ist. So können Versicherungen oder Banken nach außen sinnlich-emotional erfahrbar werden, und nach innen sogar doppelt wirken: Kunst in den Büros dienen der Verschönerung und oft auch als Kennzeichnung der Arbeitsräume. Vor allem wird diese Dekoration als Weg gesehen, die Denk- und Handlungsweise der Mitarbeiter allmählich, aber langfristig zu ändern: die Sammlung als Kreativtransfer, Kunst als Weg zur Geschmacksbildung, als Sensibilisierung für nicht-rationale Vorgänge, als Schulung für den Respektsinn.
Auch in den Büros der Deutschen Bank in Wien hängen Leihgaben aus der Sammlung. Für die Zentrale am Fleischmarkt kam ein Portfolio mit exakten Vorschlägen für die verschiedenen Raumhöhen und Zimmer, jetzt hängen dort 180 Werke österreichischer Künstler, etwa die 12 Lithographien von Hermann Nitsch im Konferenzraum. „Jeder kann sich bei den Sitzungen sein Lieblingsbild aussuchen“, scherzt Johannes Ritter. Er ist Verwaltungsdirektor und eigentlich hatte er ein Werk aus der Nitsch-Serie in seinem Büro. Das aber wurde eingereiht, also erhielt er ein „museales Werk“, wie ihm erklärt wurde. Jetzt schmücken sein Büro eine Serie mit 23 Blättern von Walter Pichler. In den Gängen sieht man Papierarbeiten von Herbert Brandl, Siegfried Anzinger, in einem kleinen Konferenzzimmer Bleistiftzeichnungen von Maria Lassnig. Für den unliebsamen Innenhof beauftragten sie Ingrid Pröller, die 2012 die Umspannung „Parallelwelten“ anfertigte. Jetzt ist der Schacht unsichtbar.
Gekauft, darauf legt Hütte Wert, wird bei Galerien, nicht auf dem Sekundärmarkt und auch nicht bei Auktionen. Ob die Tokio Art Fair, Frieze London und New York, Art Cologne, die Deutsche Bank ist gleich bei mehreren Kunstmessen Sponsor, dort wird auch mit einer eigenen Jury angekauft. Aber eigentlich sei es kein Sponsoring, betont Hütte. „Messen sind ja wirtschaftliche Unternehmen. Wir sind Partner der Messen, man kann hier nicht von Förderung sprechen. Messen sind perfekt geeignet als Plattform für Kommunikation“, während der Frieze Week seien „zwei- bis dreihundert Toppkunden nicht nur in einer Stadt, sondern auch an einem Platz versammelt. Es liegt mehr als nahe, dass die Bank sich hier engagiert, mit geführten Touren, einer Lounge, einem Dinner.“
Aber die Deutsche Bank setzt nicht nur auf Ankäufe und Lounges. Teile der Sammlung gehen als Wanderausstellung in Museen und von 1997 bis 2012 betrieb die Bank einen Kunstraum in Kooperation mit der Solomon R. Guggenheim Foundation in Berlin mit insgesamt 61 Ausstellungen. 18 Auftragsarbeiten entstanden in der Zeit, die teilweise den New Yorker geschenkt wurden: „Die Papierarbeiten und Fotografien gingen überwiegend in unseren Besitz, das Guggenheim erhielt die größeren, oft skulpturalen Werke.“ Finanziert selbstverständlich von der Bank. „Wir wollten uns dann globaler aufstellen und neue Talente zeigen, das Interesse der Amerikaner dagegen waren arrivierte Künstler.“ Also begann 2013 ein neues Projekt: die Deutsche Bank KunstHalle. Hier werden auch die seit 2010 nominierten „Künstler des Jahres“ gezeigt. Heuer ist Basim Magdy aus Ägypten nominiert, 2017 der Südafrikaner Kemang Wa Lehulere – beides Künstler, die gerne gesellschaftspolitisch brisante Themen aufgreifen. Bedingung für die Auswahl: Die Künstler sollten noch keine große Einzelausstellung gehabt haben.
Sind diese Aktivitäten nicht doch eine Konkurrenz zu Kunstinstitutionen? „Ganz im Gegenteil“, wehrt Hütte ab, „ich würde eher von einer Bereicherung sprechen.“ Sie kooperieren mit den Häusern, die tourenden Ausstellungen entstehen im engen Dialog und „bereichern in spezifischer Weise das Programm der jeweiligen Museen“. In seinem Büro hängt übrigens ein Werk von Matthias Weischer, wie auch in jedem anderen Raum auf der gesamten Etage. Denn Kunst als Instrument interner Firmenhierarchien gibt es bei der Deutschen Bank nicht.

veröffentlicht in: Die Presse, 17.7.2016