Sotheby´s teams mit eBay

27. Jul. 2014 in Kunstmarkt

J. J. Audubon, Birds of America; from Original Drawings by John James Audubon. courtesy Sotheby´s

65 Milliarden Dollar wurden im letzten Jahr im Kunstmarkt umgesetzt. Diese Zahl stammt von der Expertin Claire McAndrew, die jedes Jahr zur Antiquitätenmesse TEFAF einen ausführlichen Markt-Report vorlegt. Darin rechnete sie heuer auch vor, dass der Umsatz im Kunstmarkt im letzten Jahr um 11% stieg. Die moderne Kunst ist besonders durch die Auktionshäuser zu einem massiven Wirtschaftszweig geworden – und das will Sotheby´s jetzt noch entschieden ausbauen.

Das 1744 in London gegründete, seit 1988 an der New Yorker Börse gehandelte US-amerikanische Unternehmen besitzt über 90 Niederlassungen in 40 Ländern, in denen weltweit ca. 250 Auktionen in zehn Auktionszentren abgehalten werden. Dieser Markt scheint abgedeckt. Ein großes Potential dagegen wird im Internet gesehen – und darum startet Sotheby´s eine Kooperation mit dem Internet-Flohmarkt eBay. In live–stream-Auktionen sollen Uhren, Wein, Schmuck, Design und Kunst angeboten werden. Verkaufspreis der Objekte: zwischen 5000,- bis 100.000 Dollar, denn in dieser Preisklasse fanden mehr als 50% aller Verkäufe statt, errechnete Sotheby´s. 

 

George Romney’s PORTRAIT OF EDWARD WORTLEY MONTAGU. Estimate £2,000,000–3,000,000. Sotheby´s

Es ist nicht der erste Versuch einer Zusammenarbeit. Bereits 1999 verkündete Amazon eine $35 Mio-Investition in die Auktionsseite sothebys.amazon.com, was im Oktober 2000 beendet wurde. 2002 sollte Sotheby´s dann in die eBay-Seite integriert werden, was im Februar 2003 mit einem kolportierten Verlust von 100 Mio. Dollar scheiterte. Gut zehn Jahre später folgt jetzt also ein weiterer Versuch. Denn mittlerweile sieht das Haus neues Potential: Es gebe weit mehr Sammler und mehr Interesse an Online-Verkäufen. 2013 boten die Online-Interessierten bei Sotheby´s auf 17% aller möglichen Lots, die Gesamtsumme aller im Internet verkauften Lots des Auktionshauses stieg dabei um 36% gegenüber dem Vorjahr. Der Höhepunkt war eine Erstausgabe von John James Audubons vierbändigen Buch „The Birds of America“, verkauft auf einer Live übertragenen Auktion im April 2014 für gut 3.5 Mio. Dollar.

 

Pol Roger’s Cuvée Sir Winston Churchill 2002. Sotheby´s

Ab Ende des Jahres oder Anfang 2015 sollen zunächst New Yorker Auktionen auf eBay übertragen werden. Aber warum will das elitäre Auktionshaus seinen Kundenstamm gerade dort erweitern, wo Schnäppchen gesucht, Gebrauchtes, Altes und gerne auch einmal Fälschungen angeboten werden? So wurden etwa 60 Bilder von Jackson Pollock über eBay angeboten, für den unglaublichen Preis von 9000,- Dollar pro Stück – Fälschungen, wie sich natürlich herausstellte. Das Argument für die Kooperation ist ein Zahlenspiel: 145 Millionen aktive Nutzer weltweit. „Selbst wenn wir nur 1% dieser Kunden erreichen, wäre das viel für uns,“ erklärte Bruno Vinciguerra, Geschäftsführer von Sotheby´s. Ebay hat eine sehr simple Statistik aufgestellt: Jeden Tag würde das Online-Portal mehr als 3500 Auktionen mit einem Preis von $5K beenden. 2013 hätten die Hälfte aller Lots von Sotheby´s zwischen $5K und $100K gelegen – und das ergibt die Schnittmenge beider Häuser. Ebays Interesse an der Kooperation: Image-Gewinn, um endlich den Ruf eines Flohmarktes zu verlieren.

 

Henri de Toulouse-Lautrec, ELLES (DELTEIL 179 – 189; ADRIANI 200 – 210; WITTROCK 155 – 165), Sotheby´s

Aber bietet das Internet tatsächlich ein Potential für den Verkauf exklusiver Waren? Sotheby´s stärkster Konkurrent, dass Auktionshaus Christie´s mit Sitz in London, kündigte gerade eine Neugestaltung ihrer webside für Oktober an, denn die reinen Internet-Auktionen werden ausgebaut. Letztes Jahr waren es 60, geplant sind doppelt so viele. „Dieses Jahr waren bereits 30% unserer Käufer neu für Christie´s, und ein Drittel davon kamen über das Internet“, sagte CEO Steven P. Murphy. Die Internet-Kunstmesse „VIP Art Fair“ dagegen scheiterte 2012 im zweiten Anlauf katastrophal. Zwar beteiligten sich 135 Galerien, aber kaufen wollte kaum jemand. Auch der jüngst gestartete Kunst-Verkauf von Amazon ist keineswegs eine Erfolgsgeschichte: Minderwertige Werke ist noch eine nette Beschreibung für den Großteil der angebotenen Bildchen. Aber Fakt bleibt, dass heute durch die ´Smartphone-Revolution´ immer mehr Menschen im Internet einkaufen. Sotheby´s spricht von 25% der Zugriffe auf die webside durch mobile Geräte. Bei eBay machen die Verkäufe darüber bereits 40% aus, in Summe sind es $20 Mio. Dollar in 2013 gewesen, 2008 dagegen $0.

Anish Kapoor, Water Ring, Form I, Medium, 2008.

Sicherlich, auf ein Schnäppchen bei eBay kann man gut in der Mensa bieten. Aber wird auch genügend Begeisterung aufkommen für eine Auktion im exklusiven Sammlermarkt? „Für die 25jährigen, die online-Einkäufe gewöhnt sind, ist es der perfekte Weg, um in die Kunstwelt einzusteigen“, ist sich eBays Kunstberater Josh Baer sicher.

 veröffentlicht in: Die Presse, 27.7.2014

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