USA 1960er Jahre: Rudolf Goessl /Wook-kyung Choi

30. Sep. 2016 in Ausstellungen

Wook-kyung Choi, Installationsansicht Kukje Gallery, Seoul

Wook-kyung Choi, Installationsansicht Kukje Gallery, Seoul

Was müssen die 1960er Jahre in New York für eine Zeit gewesen sein! Offenbar herrschte damals eine künstlerische Aufbruchsstimmung, von der wir heute zwar nichts mehr spüren, die aber in den Bildern von Künstlern aus allen Kontinenten aus jenem Jahrzehnt erhalten geblieben ist. Egal, woher sie in die Metropole an der Ostküste kamen – der Einfluss der dortigen Kunst war so stark, dass sie ihre Werke im Nu veränderten. Die Bildsprache des Abstrakten Expressionismus, Color Field Painting und Pop Art öffneten gewaltige neue Räume für die Malerei.Rudolf Goessl, Installationsansicht "Malerei im Wandel", 21er Haus, Wien // Belvedere

Rudolf Goessl, Installationsansicht „Malerei im Wandel“, 21er Haus, Wien // Belvedere

Tief beeindruckt wurde etwa der österreichische Maler Rudolf Goessl während seines Aufenthalts damals. Er beendete die Phase seiner monochromen Malerei abrupt, seine Bilder begannen stattdessen von vielen, deutlich voneinander abgegrenzten, aber trotzdem ineinandergreifenden Feldern in kräftigen Farben zu leben. Einige Jahre praktizierte er seinen poppigen Expressionismus, bis er zurück in Europa zu einer reduzierten Bildsprache überging, zu einer immer flächigeren, fast transparent erscheinenden Malerei, die an dünne Tücher erinnert – um in den 1990er Jahren wieder zur starken, US-geprägten Farbigkeit zurückzukommen.

Rudolf Goessl // Belvedere

Rudolf Goessl // Belvedere

Dieser Weg ist gerade in Goessls ausgewählten Retrospektive im Wiener 21er Haus wunderbar zu studieren (bis 30. Oktober 2016).

Wook-kyung Choi, Kukje Gallery

Wook-kyung Choi, Kukje Gallery

Die große Faszination der US-amerikanischen Kunst damals beeindruckte aber nicht nur die europäischen Maler. Auch die Koreanerin Wook-kyung Choi vollzog während ihres US-Aufenthaltes in ihrem Werk einen radikalen Wandel. Ihre international bisher kaum bekannte Malerei dieser Phase ist bis Ende Oktober in der Kukje Gallery in Seoul in der umfassenden Retrospektive „American Years 1960s-1970s“ aufgearbeitet. Kuratiert von Sungwon Kim, sind mehr als 70 Zeichnungen und Bilder von 1963-1978 zu sehen. Chois Bruder lebte damals bereits in den Staaten, ihre wohlhabende Familie konnte auch der jungen Malerin einen Aufenthalt finanzieren. Die damals 23jährige zog zunächst nach Michigan und studierte an der Cranbrook Academy of Art, ab 1966 an der Brooklyn Museum Art School. Schnell war sie fasziniert von den Werken Jackson Pollocks und der New York School.

Wook-kyung Choi, Glory, year unknown // Kukje Gallery, Seoul

Wook-kyung Choi, Glory, year unknown // Kukje Gallery, Seoul

Ähnlich wie auch Goessl griff sie bald die unregelmäßigen, freien Formen in starker Farbigkeit und in einer all-over-Komposition auf, ließ die Farben aber deutlich diffuser ineinandergreifen.

Wook-kyung Choi, Fate, 1966 // Kukje Gallery, Seoul

Wook-kyung Choi, Fate, 1966 // Kukje Gallery, Seoul

Die Kraft des Unbewussten, die gestische Abstraktion, die Befreiung von Narrativen und von klaren Strukturen praktizierte auch sie nur eine begrenzte Zeit. Ende der 1960er Jahre finden sich bereits politische Inhalte in ihrem Werk, die etwa auf den aberwitzigen Vietnamkrieg anspielen.

Wook-Kyung Choi, The Letter for Peace from a Poet, 1967 // Kukje Gallery

Wook-Kyung Choi, The Letter for Peace from a Poet, 1967 // Kukje Gallery

Beeindruckend auch ihre Collagen aus jener Zeit, in denen sie Textpassagen und Zeitungsausschnitte, aber auch farbige Flächen einarbeitete. Anders als Goessl, der zurück in Österreich die Reduktion suchte, integrierte Choi bald folkloristische Elemente aus New Mexico, wo sie später einige Jahre lebte. Von 1971-73 erhielt sie ein Stipendium für Korea und fügte traditionelle Motive wie Elstern, Tiger und Drachen in ihre Malerei ein. In ihrem gesamten Werk bleibt jedoch immer der frühe Einfluß aus den 1960er Jahren spürbar, wenn sie mit Formen und Farben experimentiert und immer wieder trotz des eher konservativen Klimas der Kunstszene Koreas sich für abstrakte Malerei entschied. 1979 kehrte sie endgültig nach Korea zurück. Zwar unterrichtete sie an der Duksung Women´s University und hatte einige wichtige Ausstellungen, ihren Ruhm aber erlebte sie nicht mehr. Sie starb 45jährig 1985. (Ausstellung bis 30. Oktober 2016)

Wook-kyung Choi

Wook-kyung Choi

wook-kyung-choi_untitled_1968

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