Viennafair 2005 – Wiens neue Kunstmesse

25. Apr. 2005 in Kunstmesse

Zehn Jahre lang traf man sich schummrig-gemütlich ganz unter sich auf der Kunst Wien im Museum für Angewandte Kunst. Einem internationalen Niveau entsprach das eng gedrängte Ambiente schon lange nicht mehr. Also beschlossen einige Wiener Galerien, eine neue Messe zu gründen. Knapp ein Jahr Vorbereitung, ein kompetenter Partner (Reed Exhibitions), die Galeristinnen Rosemarie Schwarzwälder und Gabriele Senn als Beiratsvorsitzende – und das Projekt begann: ViennAfair. Etwas holprig. Doch die viertägige Messe ist ein absoluter Volltreffer geworden! Standort der Viennafair ist das erst im letzten Jahr eröffnete Messezentrum, direkt am Prater mit Wiens berühmtem Riesenrad. Eine heitere Atmosphäre unter dem Glasdach des dreieckigen Foyers, die offene, hohe Halle mit Glasfront über die gesamte Länge und eine wirklich bemerkenswerte Ausstellungsarchitektur aus dicken, 3.50 m hohen Wänden, die flexibel gestaltet werden können – besser kann das Ambiente für zeitgenössische Kunst kaum sein! Die Architekten der Messestände, das Berliner Büro Kühn-Malvezzi, bringen reichlich Erfahrung mit, denn sie bauten die Binding Brauerei für die documenta 11 um, adaptierten im letzten Jahr in Berlin die Rieckhallen neben dem Hamburger Bahnhof für die Flick Collection und sind immer wieder mit Ausstellungsarchitekturen, so zum Beispiel Belgrad Art Inc., in der Secession beauftragt.
Aber neu ist nicht nur die Architektur. Auch die strenge qualitative und quantitative Beschränkung der Viennafair auf nur 92 Galerien – aus 19 Ländern – auf gut 10.000 qm gaben Kunst und Publikum endlich genug Raum für konzentrierte Betrachtungen. Junge Galerien erhielten geförderte, 25 qm kleine Stände; wer wollte, konnte aber bis zu 125 qm belegen – und diese Mischung funktioniert perfekt! 124,- Euro pro qm kosten die Einheiten, was verglichen mit 250,- Euro auf der Art Basel ein Schnäppchen ist. Und das Niveau der Stände war mit Basel absolut vergleichbar, besonders auf den Kooperations-Ständen: Eine großartige Wandtapete von Liam Gillick (19.000,- Euro), darauf Kleinformate von Gelatin (ab 10.000,- Euro), davor eine Lampe von Jorge Pardo (22.000,- Euro) im Doppelstand von Esther Schipper (Berlin) und Meyer Kainer (Wien); Anish Kapoor (195.000,- Euro), Imi Knoebel (83.000,- Euro) und zwei Skulpturen von Manfred Pernice (ab 15.000,- Euro) im Doppelstand der Lisson Gallery (London) und Nächst St. Stephan (Wien); klassische Moderne neben Walter Pichler oder Jannis Kounellis bei Lelong (Zürich Paris New York) und Thoman (Innsbruck).
In der Hauptsache wurden natürlich Werke österreichischer Künstlerinnen und Künstler auf der Viennafair angeboten: Brigitte Kowanz bei Krobath Wimmer (37.000,- Euro), Erwin Wurm bei Krinzinger (von 7.000,- bis 25.000,- Euro), Michael Kienzer bei Eugen Lendl (ab 5.500,- Euro), Valie Export bei Miryam Charim (25.000,- Euro) oder Gregor Zivic bei Martin Janda (3.500,- Euro). Aber die Messe hielt auch einiges zu Einsteigerpreisen bereit: Zeichnungen von Tam Oichai bei Lisa Ruyter (ab 800,- Euro) oder Werke in der Einzelpräsentation von Tim Trantenroth bei der jungen Berliner Galerie Spielhaus Morrison (ab 550,- Euro).
Skulpturen groß und klein, Zeichnungen, Fotografien, wenig Video, Wandarbeiten – die Mischung auf der Viennafair war perfekt. Es ist eine durch und durch ausgewogene Messe geworden, die mit ihrem Schwerpunkt „Focused on CEE“ (Central Eastern Europe) Vorbildfunktion erhalten kann. Denn diese geförderten Galerien saßen nicht in einer Ecke beisammen, sondern mischten sich selbstverständlich zwischen alle anderen. Bereits im Vorfeld bemerkte der Prager Galerist Jiri Svestka euphorisch: „Die Viennafair scheint schon bei der Premiere eine scharf profilierte Messe zu werden“ – und das trifft absolut zu! Insgesamt 10.600 Besucher konnte die Messe verzeichnen, davon 15 Prozent aus dem Ausland. Ja, und verkauft wurde gut – genug, um auch im nächsten Jahr wieder zufriedene nationale und internationale Galeristinnen, Galeristen, Sammlerinnen und Sammler auf der Viennafair in Wien zu treffen.

Vom 21. bis 24. April 2005 im Messezentrum Wien, Halle A.
Veröffentlicht in: www.artnet.de, 25. April 2005