Wiener Galerist verklagt Kunstmesse Viennafair

16. Dez. 2015 in Kunstmarkt

Sonderschau der Viennafair 2015 // SBV

Sonderschau der Viennafair 2015 // SBV

Bejubelt wurde die heurige Viennafair von kaum jemandem. Unter dem neuen Veranstalter Art Port GmbH hatte keine der namhaften Wiener Galerien an der Kunstmesse teilgenommen, die Qualität der ausgestellten Kunst war durchwachsen und die Besucherzahl wird von den Veranstaltern nicht bekannt gegeben.Schon kurz nach der Messe beschwerten sich einige Galerien, jetzt aber eskaliert die Situation. Denn die Wiener Galerie Czaak klagt den Messeveranstalter. 17.328,50 Euro werden zurückverlangt, weil die Leistungen der Messe „nur ein Viertel dessen wert waren, was die vereinbarten Leistungen ohne Mängel wert gewesen wären,“ wie es die Rechtsanwälte Gheneff, Rami, Sommer formulieren.
Konkret wird dem Messebetreiber vorgeworfen, getroffene Zusagen nicht eingehalten zu haben: „Galerien wie Krinzinger, St. Stephan, Thoman, Hilger, Charim und Krobath waren bereits fixe Messe-Stände zugeteilt und Pelz hatte deren Teilnahme garantiert,“ sagt Christian Czaak. „Bei der Messe war dann allerdings keine dieser Galerien mit einem Stand vertreten.“ Art Port-Eigentümer Wolfgang Pelz verweist natürlich darauf, dass er die Plätze nur reservierte und eine Garantie gar nicht abgeben kann, denn oft entscheiden sich Galerien erst kurzfristig für eine Teilnahme.
Aber Czaak klagt auch, dass die Art Port die „kassierten Beiträge zur Bewerbung der Messe“, konkret 2.988,- Euro, nicht wie versprochen verwendete. Angekündigt waren Werbeeinschaltungen in Radio und Beilagen in den Tageszeitungen „Die Presse“ und „Die Zeit“. Aber „das einzige, was wir wahrgenommen haben, war eine briefmarkengroße Schaltung auf ORF-Online, sonst nichts,“ erklärt Czaak. Als Reaktion auf die Beschwerden einiger Galerien sei eine offizielle Aussendung an alle Aussteller gegangen, berichtet Czaak weiter. Darin wurde „… ein eisiger Ostwind für Diskreditierung und negative Beeinflussung der Aussteller, Geschäftspartner, Sponsoren und Sammlern“ für die Situation verantwortlich gemacht. Das ist eine deutliche Anspielung an den Russen Dmitry Aksenov, der 2012 die Viennafair übernommen hatte, 2014 aber den Namen und den Standort aufgab und heuer stattdessen mit der sehr erfolgreich verlaufenen Vienna Contemporary in der Marxhalle neu startete.

Alfred Kornberger, Erotiktänerzin mit grünen Strümpfen. c Galerie Czaak

Alfred Kornberger, Erotiktänerzin mit grünen Strümpfen. c Galerie Czaak

Noch ein brisantes Detail macht Czaak in seiner Klage publik: Er mietete zwei Stände. Für den Stand Nr. 29 hatte er 12.300 Euro zu zahlen, für Stand Nr. 130 wurde offenbar ein Bild mit dem schönen Titel „Erotiktänzerin in grünen Strümpfen“ im Wert von rund 10.000 Euro als Gegenleistung vereinbart. Art Port-Eigentümer Wolfgang Pelz holte das Werk „abredewidrig“, wie es in der Klage heißt, allerdings nie ab.
Was aber sagt Art Port dazu? „Wir haben gegen Herrn Czaak bereits vor längerer Zeit Klage eingereicht, weil er seine Rechnungen nicht bezahlt hat. Wir werden uns aufgrund dieses Verfahrens nicht zu Herrn Czaak äußern.“ Diese Klage ist bei Czaak offenbar nie eingelangt – und von ausstehenden Zahlungen weiß er nichts. Im Gegenteil, er habe schon bei den ebenfalls von Art Port verantworteten Messen Art Salzburg und Art Austria „klagwürdige Erfahrungen“ gemacht und möchte jetzt eine „unabhängige und objektiv überprüfte Klarheit.“

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