11. Triennale India 2005 / Neu Delhi

27. Jan. 2005 in Biennalen

Zwischen Kitsch und Kritik – Die 11. Triennale India in Neu Delhi (14.1.-10.2.2005)

Leo Zogmayer, Chance, Neu Delhi 2005

Schon einmal von der „Triennale India“ gehört? Immerhin findet diese internationale Kunstausstellung seit 1968 jetzt zum elften Mal in Neu Delhi statt. Aber aus irgendwelchen Gründen wurde darüber bisher kaum berichtet – und das liegt sicherlich nicht am Aufführungsort. Für eine Reise nach Indien braucht es oft weniger Gründe als Interesse an der Kunst. Und hier nehmen immerhin 34 Länder mit knapp 170 KünstlerInnen teil, verteilt auf vier Ausstellungsorte, was zudem eine spannende Stadtrundfahrt verspricht. Und das lieferte uns denn auch der Taxifahrer, der so einfach weder den zentralen Ausstellungsort Lalit Kala Akademie noch die National Gallery of Modern Art, ein kleiner, charmanter Rundbau im Garten des Indira Gandhi National Centre for Arts oder das beeindruckende „Crafts Museum“ fand.

Indira Ghandi Gebäude, Neu Dehli

Und zu diesen vier offiziellen Orten kommt noch ein fünfter hinzu. Denn der deutsche Beitrag verteilt sich auf zwei Plakate im öffentlichen Raum, zwei Arbeiten in den offiziellen Orten und der Hauptinstallation im Max Mueller Bhavan, dem indischen Goethe-Institut. Der in Portugal lebende, deutsche Kurator Jürgen Bock wählte Andreas Siekmann aus, der hier eine großartige, raumfüllende Installation zeigt: Laserdrucke aus 17 Kapiteln seiner Serie „From: Limited Liability Company“, die die Folgen des Neoliberalismus auf den öffentlichen Raum thematisieren.

Andreas Siekmann, Neu Delhi 2005

Auch wenn dieser Ort in keinem offiziellen Informationsblatt vermerkt ist, hielt das doch die Triennale-Jury nicht davon ab, dem deutschen Beitrag einen der zehn Geldpreise über 100.000,- Rupies (ca. 2000 Euro) zu verleihen. Die anderen Preise dagegen gingen an eher traditionelle Werke, die überhaupt die Triennale India dominieren. So sind die Werke der sechzig indischen Künstler vom Fokus auf technische Perfektion geprägt – heißt: fast unerträgliche Malerei und Skulpturen. Die wenigen namhaften zeitgenössischen Künstler Indiens dagegen nehmen an der Triennale erst gar nicht teil, weil sie entweder nicht eingeladen wurden oder die Ausstellung boykottieren. Daher organisierte die Gruppe „Talk about curating“ ein dreitägiges Symposium mit nationalen und internationalen Experten über „The making of international exhibitions“. Angestrebt wird die Neugründung einer „Delhi Biennale“, deren Finanzierung allerdings ein offenes Thema ist.

Einer der zentralen Kritikpunkte und wohl auch der Grund für die fehlende Bedeutung der Triennale sind die gravierenden qualitativen Unterschiede, die sich von der nationalen Auswahl über die Jury-Entscheidungen bis zu den Länderbeiträgen ziehen.

Kirgistan

So ist etwa die Auswahl der Kuratoren für die Türkei, Russlands und Finnlands besonders erschreckend: kitschigste Malerei aus Ländern, die absolut mehr zu bieten haben. Brasilien dagegen konzentriert sich auf bemerkenswerte Videos von Thiago Rocha Pitta und Laercio Redondo, der zur Zeit Stipendiat am Stuttgarter Schloß Solitude ist. Österreich präsentiert sich mit fünf Künstlern (Christian Hutzinger, Kurt Hofstetter, Stephanie Pflaum, Werner Schrödl, Leo Zogmayer), die einen medialen und inhaltlichen Querschnitt zeigen und mit Zogmayers Schrift an der Fassade der Akademie großes mediales Aufsehen erhielten: „Change“ und „No Change“.

Christian Hutzinger (links), Kurt Hoffstetter (Mitte), Werner Schrödl (Fotografie Hintergrund), Stephanie Pflaum (rechts)

 

Mit dem französischen Beitrag, Sylvie Blochers Video indischer Männer in Großaufnahme, die sich im Moment der Ekstase befinden, oder Roderick Buchanans Portrait indischer und schottischer Soldaten für Großbritannien sind bemerkenswerte, ortsspezifische Werke entstanden, die sicher noch in weiteren Ausstellungen zu sehen sein werden. Solche Beiträge stimmen denn auch zuversichtlich, dass sich in Zukunft auch die anderen Länder für eine zeitgenössische Auswahl für die Triennale India in Delhi entscheiden werden.

publiziert in: www.artnet.de, 27.1.2005

 

 

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