9. Berlin Biennale in Bildern

12. Jun. 2016 in Biennalen

GCC (Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin; Project Native Informant, London; Mitchell-Innes & Nash, NY), Positive Pathways, 2016. Commissioned + produced by Sharjah Art Foundation. Foto Timo Ohler

GCC (Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin; Project Native Informant, London;
Mitchell-Innes & Nash, NY), Positive Pathways, 2016. Commissioned + produced by Sharjah Art Foundation. Foto Timo Ohler

„The Present Drag“ betitelt das New Yorker Team DIS die 9. Berlin Biennale. 4 Ausstellungsorte wählten sie: Räume, wo die kurze Zwischennutzung durch eine Kunstausstellung möglichst nicht zur Gentrifizierung beiträgt. Und Räume, die kein nostalgisches Bild von Berlin erzeugen, auch keine Subkultur beschwören (die es hier eh kaum noch gibt). Also entschieden sie sich für die Akademie der Künste am touristisch überfluteten Pariser Platz gleich neben dem Brandenburger Tor (22 KünstlerInnen). Und für das in den 1960ern errichtete Gebäude der ESMT, European School of Management and Technologie, gleich neben dem Schloß, das in DDR-Zeiten Sitz des Staatsrats war, also der höchsten Einrichtung der DDR-Regierung – von Politik zu Wirtschaft zu Kunst, einmal der umgekehrte Weg (3 KünstlerInnen). Dazu den ehemaligen Telekommunikationsbunker am Hallischen Ufer, den die Feuerle Collection sich für die Sammlungspräsentation umbauen ließ (4 KünstlerInnen), natürlich die KW (Kunstwerke), wo die Berlin Biennale 1998 begann (22 KünstlerInnen), und ein Ausflugsboot. Es sei ihre „erste und wahrscheinlich letzte Biennale„, sagte das Team bei der Pressekonferenz. In der US-Zeitschrift Artforum nannten sie als ihr Motto: Die Biennale sei „grounded in the idea that you exist online, but your ass still hurts and grinds.“ Und: „We’re trying to make people forget they’re in a biennial—most of the installations there don’t initially connote art and many have adopted commercial formats.“
Vielleicht ist Lifestyle und Werbewirksamkeit kein taugliches Konzept für eine Biennale? Vielleicht sollten die Organisatoren der BB die Experimente besser den Künstlern statt Kuratoren überlassen?
Hier einige wenige Höhepunkte:

Hito Steyerl Installationsansicht. Foto Timo Ohler

Hito Steyerl, Installationsansicht. Foto Timo Ohler

Camille Henrot, "Office of Unreplied Emails", 2016. Drucke auf Silikon; "11 Animals that Mate 4 Life", Fresko, Stahl. Foto Timo Ohler

Camille Henrot, „Office of Unreplied Emails“, 2016. Drucke auf Silikon; „11 Animals that Mate 4 Life“, Fresko, Stahl. Foto Timo Ohler

Halil Altindere, Homeland, 2016. Videostill (Lyrics by Mohammad Abu Hajar)

Halil Altindere, Homeland, 2016. Videostill (Lyrics by Mohammad Abu Hajar)

Und einige Irritationen:

Eingangsinszenierung Akademie der Künste // SBV

Eingangsinszenierung Akademie der Künste // SBV

Mit dieser Shop-Inszernierung aus der Welt von Werbung & Konsum leitet DIS den Gang durch die Akademie ein: überzeugendes Lifestyle, aber wenig Biennale-tauglich.

Jon Rafman, Berlin Biennale 2016 // SBV

Jon Rafman, Berlin Biennale 2016 // SBV

Jon Rafmans Skulpturen auf der Terrasse der Akademie wirken hier akademisch-konservativ, während nahezu identische Objekte auf der Manifesta 11 in Zürich in ein überzeugendes Setting aus von Zombis unterbrochener Wellnesskulturstehen. In Zürich endet damit allerdings auch nicht ein Gang durch eine Art Kaufhaus-Kunst-Parcour.

Katja Novitskova, Connectome Growth Potential // SBV

Katja Novitskova, Connectome Growth Potential // SBV

Völlig irritierend auch die Flammen von Katja Novitskova, die wie flüchtige Kulissen im Foyer der ESMT stehen – zum Verwechseln ähnlich mit x-beliebigen Werbeständern. Das mag beabsichtigt sein, befeuert aber nicht die Qualität.

Trevor Paglen / Jacob Appelbaum, Autonomy Cube, Computerbauteile, Plexiglasbox, 2015 // SBV

Trevor Paglen / Jacob Appelbaum, Autonomy Cube, Computerbauteile, Plexiglasbox, 2015 // SBV

Kulissenhaft auch Trevor Paglen/Jacob Appelbaums „Autonomy Cube“: ein Plexiglaswürfel mit Computerschalttafeln darin. Sieht aus wie ein Schmuckstück, soll aber mit dem Zugangscode Autonomy Cube als drahtloses Netzwerk mit offenem Zugang funktionieren – als Tor/Router zu Tor, für eine „echte Freiheit im Netz“.
Und dan noch die kuriose Dekoration auf dem Ausflugsboot von Korakrit Arunanondchai / Alex Gvojic – mehr mehr mehr war wohl das Motto.

Korakrit Arunanondchai/Alex Gvojic, Installationsansicht

Korakrit Arunanondchai/Alex Gvojic, Installationsansicht

 

 

 

 

 

 

 

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