Monte Carlo

09. Aug. 2011 in Reisen

Pracht & Glanz t in Monte CARLO

Eigentlich sollten Fürst Albert II und Charlene anwesend sein, um ihr Hochzeitsgeschenk feierlich zu eröffnen. Denn das Fürstentum hat dem jungen Paar eine fantastische Ausstellung geschenkt. Aber die Frischvermählten waren zur Eröffnung bereits in die Flitterwochen gereist. Dafür steht jetzt „Pracht & Glanz der königlichen und fürstlichen Häuser Europas“ dem bürgerlichen Publikum offen, als Zeitreise durch vier Jahrhunderte europäischer Geschichte.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es ist eine eigenartige Ausstellung, zugleich faszinierend ob der Vielfalt und irritierend ob der überhöhten und ganz ungebrochenen Inszenierung. Im Grimaldi Forum, Monte Carlos Kongresszentrum direkt am Meer, ist eine kitschige Kulissenarchitektur aufgebaut, die uns in eine Welt von gestern entführt – in eine märchenhafte Traumwelt, gebaut aus über 500 Gemälden, Möbeln, Kostümen und Juwelen aus aristokratischen Privatsammlungen und staatlichen Museen.

Die Ausstellung beginnt mit einem kurzen Gang zwischen livrierten Puppen, der in ein zentrales Rondell führt. Hier sind per Video Aufnahmen der Schlösser eingespielt – wohl um den Wirklichkeitsanspruch der Inszenierung zu unterstreichen. Rundherum betritt man dann durch beleuchtete Rundbögen zwanzig Räume, jeder einem Staat gewidmet: Sachsen, Turin, Neapel, aber auch Portugal, Österreich, Frankreich. Ganz demokratisch im Kreis angeordnet – um ja keine protokollarischen Probleme zu erzeugen – stehen hier jeweils einzelne Herrscher im Zentrum, von deren Leben anhand verschiedener Objekte erzählt werden.

Hier sind Prachtstücke zu bewundern wie das Kollier mit rosa Diamanten von Portugals Königin Maria Pia, das berühmte Türkenzelt des Polenkönigs Jan III Sobieski, den Bersteinkasten aus Preußen, das Gewand von August dem Starken und natürlich ein Portrait von Fürst Karl III aus Monaco. Karl III gründete 1866 die Stadt Monte Carlo – zu deutsch: Karls Berg. Norwegen ist natürlich mit Haakon VII dabei, der zuvor Karl hieß und Prinz von Dänemark war: Die Norweger hatten per Volksbefragung beschlossen, sich einen König zu leisten, der 1905 ausgewählt und gekrönt wurde.

England repräsentiert Victoria und Albert, steuerte aber nur magere sieben Gemälde bei. Belgiens Leopold I hat kurioserweise eine kleine Modelleisenbahn zugeordnet bekommen. In Belgien fuhr die erste Dampflok, aber zwischen all dem Silber, Gold und Edelsteinen ist das Modell eine eigenartige Entscheidung.

In Österreich, wie sollte es anders sein, stehen Franz Joseph und Elisabeth im Mittelpunkt. Dieses unglückliche Paar auszuwählen ist eine recht makabre Entscheidung, ist die Ausstellung doch ein Hochzeitsgeschenk. Aber offenbar überwog der Bekanntheits- und auch der Kitschfaktor – mittendrin läuft der berühmte Film von 1955 mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm. Daneben sind bisher unbekannte Gemälde und Aquarelle ausgestellt, die Sissi reitend und auch in ihrem Polterkleid zeigen.

Gleich nebenan dann Esterhazy. Fürst Nikolaus II war nie ein Souverän, regierte nie ein eigenes Reich. Aber sein royaler Anspruch, sein Lebensstil, vor allem aber die einmalige Sammlung der Esterhazys rechtfertigen die Aufnahme in diese illustre Runde der gekrönten Häupter. Eine Sammlung, die sich immer wieder als wahre Schatzgrube erweist. Erst vor wenigen Jahren entdeckten die Kustoden die bis dahin auch der internationalen Forschung unbekannte Menge von spektakulären 80 Silbermöbeln aus dem 17. Jahrhundert. Oder eine lange als verloren gegoltene, kleine Venusfigur wurde grad erst zwischen den Zinnsoldaten gefunden. Sonst nur in der permanenten Aufstellung auf Schloss Forchtenstein im Burgenland zu bewundern, gehören jetzt einige Objekte daraus zu den Höhepunkten der Ausstellung in Monte Carlo: die Livrierten im Eingang, die Sissi-Aquarelle, vor allem aber die Kutsche im zentralen Rondell.

Dieses Prunkstücke der Ausstellung ist wird hier das erste Mal seit 1792 wieder öffentlich. Gebaut für die Krönung von Franz II in Frankfurt, fuhr der Fürst damals damit als Wahlbotschafter vor. 50 Gewerke mussten jetzt an der Restaurierung des sportlichen Zweisitzers arbeiten, die 200.000,- Euro kostete. Alles ist in den Originalzustand gesetzt worden. In Esterhazys Wagenburg in Eisenstadt steht übrigens auch noch die Kutsche von Fürst Anton. Die wurde allerdings 1955 für den Sissi-Film ganz unbekümmert in ein Habsburger-Gefährt umgemalt.

Tafelsilber, Geschirr und Kerzenleuchter, Elfenbein, Diademe und Kronen, prunkvolle Uhren, Abendkleider, Schwerter, Büsten, Portraits und Landschaftsmalerei – es sind fantastische Werke, die hier zusammen kommen. Es ist eine zauberhafte Reise in eine Zeit, in der Sammeln zum guten Ton gehörte. Aber es ist eine einseitige Reise. Von der Herkunft des Reichtums wird nirgendwo berichtet. Die Kolonialgeschichte ist ebenso ausgespart wie Kriege und die Welt des Volkes. Diese Inszenierung dient der Vorspiegelung einer heilen Welt, eines Europas voller Pracht und Glanz, in die ganz nebenbei die königliche Familie von Monaco selbstverständlich eingeschrieben wird. Es ist eine Welt, die noch heute Pate steht für die Faszination an royalen Hochzeiten. Und es ist eine Welt, in der Kunst, Kuriositäten und Raritäten als Spiegelbild des Kosmos galten, die im Mikrokosmos der Kunstkammern bestaunt wurden – und noch nicht alles nur über den Geldwert bestimmt war.

 

Pracht und Glanz der fürstlichen, königlichen und kaiserlichen Höfe in Europa. Grimaldi Forum, Monte Carlo, 11.7.-11.9.2011, tägl. 10-20 Uhr, Do. bis 22.00, Eintritt 12 Euro

Die Presse, 9.8.2011

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