Österreich auf der 57. Biennale Venedig

01. Apr. 2016 in Biennalen, News

Christa Steinle. Foto Ulrike Rauch

Christa Steinle. Foto Ulrike Rauch

Manches Jahr hatten die Kommissäre für den Österreichischen Pavillon in Venedig gerade mal ein halbes Jahr Vorbereitungszeit – schwierig für die Kuratoren, aber vor allem eine enorme Herausforderung für die Künstler. Heuer ist alles anders: Am 1.4.2016 wurde die Kommissärin für die 57. Biennale Venedig mitgeteilt. Christa Steinle, geboren 1951 in Graz und tätig in der Stabsstelle Direktion am Joanneum Graz.

Am 1. April 2016 stellte Kunst- und Kultusminister Josef Ostermayer (r.) im Rahmen eine Pressekonferenz die Kommissärin und teilnehmende Künstlerinnen und Künstler für die 57. Kunstbiennale in Venedig vor. Im Bild mit Christa Steinle (m.r.), Künstlerin Brigitte Kowanz (m.l.) und Künstler Erwin Wurm (l.).

Am 1. April 2016 stellte Kunst- und Kultusminister Josef Ostermayer (r.) im Rahmen eine Pressekonferenz die Kommissärin und teilnehmende Künstlerinnen und Künstler für die 57. Kunstbiennale in Venedig vor. Im Bild mit Christa Steinle (m.r.), Künstlerin Brigitte Kowanz (m.l.) und Künstler Erwin Wurm (l.).

Und sie hat auch gleich ihre Wahl für den Pavillon bekannt gegeben: Brigitte Kowanz und Erwin Wurm werden sich den Auftritt teilen. Und das ist kein Aprilscherz!

Österreichischer Pavillon Venedig. Foto Georg Petermichl

Österreichischer Pavillon Venedig. Foto Georg Petermichl

Steinle ist seit 30 Jahren an dem Museum in Graz beschäftigt, war zuletzt Direktorin, was aber der damalige Intendant Peter Pakesch beendete. Sie hatte verzweifelt versucht, den leidlichen Umzug der Neuen Galerie in die völlig ungeeigneten, neuen Räume mit dem unterirdischen Eingang zu verhindert.

Neue Galerie Graz

Neue Galerie Graz mit dem Eimer-ähnichen Eingang

Also musste sie dann wohl gehen. Jetzt ist sie Österreichs Kommissärin der wichtigsten Ausstellung der Welt – eine Genugtuung für sie? Das Thema sei erledigt, sagt sie: „Das ist verbrannte Milch – und hat lange schlecht gerochen.“ Gewählt wurde ihr Konzept aus rund 10 Einreichungen, die teils auf Einladung erfolgten, zum größten Teil aber initiativ. Ihres hatte Kulturminister Josef Ostermaier am meisten überzeugt.

Brigitte Kowanz. Foto Kollektiv Fischka

Brigitte Kowanz. Foto Kollektiv Fischka

Sie ist nicht die erste Kuratorin für den Österreichischen Pavillon, die aus der Neuen Galerie kommt: Schon 1972 zeigte der damalige Direktor Wilfried Skreiner mit Oswalds Oberhuber und Hans Hollein ein Duo in Venedig, und von 1993 bis 1999 kuratierte Peter Weibel den österreichischen Auftritt in der Lagunenstadt. Auch er setzte nicht auf Einzelpräsentationen. Daran schließt Steinle jetzt also an: Kowanz und Wurm – disparater geht es kaum!

Brigitte Kowanz, Now I See, MUMOK 2010

Brigitte Kowanz, Now I See, MUMOK 2010

Beide haben die Einladung nach Venedig mehr als verdient, beide können auf ein spannendes, komplexes Werk über mehrere Jahrzehnte zurückblicken. Kowanzs Werk thematisiert die Architektur des Lichts in einzigartigem Facettenreichtum, Wurm erweiterte den Skulpturbegriff maßgeblich mit seinen „One Minute Sculptures“. Beide verbindet – nichts.

Am 1. April 2016 stellte Kunst- und Kultusminister Josef Ostermayer im Rahmen eine Pressekonferenz die Kommissärin und teilnehmende Künstlerinnen und Künstler für die 57. Kunstbiennale in Venedig vor. Im Bild Künstler Erwin Wurm.

Am 1. April 2016 stellte Kunst- und Kultusminister Josef Ostermayer im Rahmen eine Pressekonferenz die Kommissärin und teilnehmende Künstlerinnen und Künstler für die 57. Kunstbiennale in Venedig vor. Im Bild Künstler Erwin Wurm.

Eine Zusammenarbeit sei auch nicht geplant, erklärt Steinle, es seien „zwei autonome Positionen“.

Erwin Wurm, MUMOK 2006

Erwin Wurm, MUMOK 2006

Wurm weist sogar jede Ortsspezifik ab: „Ich werde nicht auf den Pavillon reagieren,“ das täte er in seinem Werk nie, erklärte er auf der Pressekonferenz. Kowanz: „Ich  werde mit Licht, Raum, virtuellen Erweiterungen und Verschränkungen“ arbeiten – mehr können beide jetzt noch nicht verraten.

Am 1. April 2016 stellte Kunst- und Kultusminister Josef Ostermayer (m.r.) im Rahmen eine Pressekonferenz die Kommissärin und teilnehmende Künstlerinnen und Künstler für die 57. Kunstbiennale in Venedig vor. Im Bild mit Christa Steinle (m.l.), Künstlerin Brigitte Kowanz (l.) und Künstler Erwin Wurm (r.).

Am 1. April 2016 stellte Kunst- und Kultusminister Josef Ostermayer (m.r.) im Rahmen eine Pressekonferenz die Kommissärin und teilnehmende Künstlerinnen und Künstler für die 57. Kunstbiennale in Venedig vor. Im Bild mit Christa Steinle (m.l.), Künstlerin Brigitte Kowanz (l.) und Künstler Erwin Wurm (r.).

Zur Entscheidung des Kulturministers noch die Pressemeldung: „Heute ist uns eine Premiere gelungen: Noch nie zuvor konnten wir sowohl Kommissärin als auch teilnehmende Künstler auf einmal präsentieren. Es freut mich, dass das in so kurzer Zeit – und das ist keine Selbstverständlichkeit – fixiert werden konnte“, so Kulturminister Josef Ostermayer. „Christa Steinle ist  eine national und international bestens vernetzte Kunstexpertin, die in Graz als Leiterin der Neuen Galerie maßgeblich den Kunstdiskurs in Österreich mitgeprägt hat. Projekte haben sie aber auch nach New York, Frankfurt oder Paris geführt. Mit Brigitte Kowanz und Erwin Wurm hat sie zwei herausragende Künstlerpersönlichkeiten eingeladen, die 2017 den Pavillon bespielen werden.“

Die 57. Biennale Venedig begeistert bisher übrigens mit einer wunderbaren Frauenquote bei Künstlerinnen und Kuratorinnen:
Direktorin der Ausstellungen: Christine Macel (nebenbei bemerkt: Macel kuratierte 2001 für die Neue Galerie Graz die Ausstellung von Erwin Wurm)
Australien: Tracey Moffat (Kommissar: Naomi Milgrom, Kurator: Natalie King)
Kanada: Geoffrey Farmer (Kommissar: National Gallery of Canada, Kurator: Kitty Scott)
Dänemark: Kristine Roepstorff (Kommissar: The Danish Arts Founation)
Deutschland: ? (Kommissar: ifa, Kurator: Susanne Pfeffer)
England: Phyllida Barlow (Kommissar: Emma Dexter)
Irland: Jesse Jones (Kommissar: Tessa Giblin)
Neuseeland: Lisa Reihana (Kommissar: Alastair Carruthers, Arts Council of New Zealand, Kurator: Rhana Devenport)
Nordic Pavilion: ? (Kommissar: Moderna Museet, Kurator Mats Stjernstedt)
Schweiz: ? (Kommissar: Swiss Arts Council Pro Helvetia, Kurator: Philipp Kaiser)
USA: Mark Bradford (Kommissar: Christopher Bedford, Direktor Rose Art Museum, Massachusetts, und Katy Seigel)
Estland: Katja Novitskova
Italien: Kommissärin Cecilia Alemani (Chefkuratorin High Line Art, NY, und Kuratorin des Project sectors der Frieze Artfair NY)
Finnland: Errka Nissinen (1975, Finnland) and Nathaniel Mellors (1974, GB). Kurator Xander Karskens, Titel „The Aalto Natives“