10. Murano Glass Week – Venedig im Glasfieber

26. Sep. 2026 in Kunstmarkt

NORMAN FOSTER Glaslüster am Markusplatz, 2026. Courtesy SALVIATI

Murano Glass Week feiert ein erstes großes Jubiläum: Zum zehnten Mal steht ganz Venedig im Fieber des fantastischen Muranoglas´, mit Ausstellungen, Talks und den großartigen Lüstern am Markusplatz.

Die „Insel des Feuers“ wird Murano in Italien genannt. Seit 1291 der venezianische Große Rat die Glasöfen wegen der Brandgefahr auf die Insel verbannte, werden die für ihre Farbenpracht weltweit gefragten Kunstwerke hier produziert. Zuletzt bedrohten Nachwuchssorgen, hohe Gaspreise und die Konkurrenz billiger Waren aus China das Geschäft und so rief die Stadt 2017 die „Venice Glass Week“ aus, um die Marke zu stärken.

311 Glaskünstler in Venedig

Heuer feiert Venedig zum zehnten Mal die Glaskunst, mit mehr Teilnehmern als je zuvor: 311 Glaskünstler aus 57 Ländern feiern in 236 Veranstaltungen an 140 Orten das facettenreiche Material. Manche Ausstellungen wie die 40 jungen Glas-Künstler mit so überraschenden Interpretationen wie der in lauter Einzelteile aus Glas zerlegte Stuhl der Italienerin Matete Martinis in der Fondazione Bevilacqua La Masa gleich am Markusplatz sind nur diese eine Woche zu sehen.

1948-1958 Il vetro di Murano e la Biennale di Venezia, installation view, ph. Enrico Fiorese. Courtesy LE STANZE DEL VETRO

Vinicioi Vanellos, 1948-1958 Il vetro di Murano e la Biennale di Venezia, installation view, ph. Enrico Fiorese. Courtesy LE STANZE DEL VETRO.

Murano Glas auf der Biennale Venedig

Andere wie der großartige Rückblick auf „Murano Glas und die Biennale 1948-1958“ läuft noch bis Mitte November in der Fondazione Cini auf der Insel Giorgio Maggiore. Von 1932 bis 1972 zeigten die wichtigsten Murano-Werkstätten wie Venini oder Salviati regelmäßig ihre besten Stücke im Pavillon Venezia in den Giardini. Oft in einer Edition von 7 produziert, konnten die farbintensiven Vasen und experimentellen Objekte vor Ort von Besuchern gekauft und auch gleich mitgenommen werden. In der Schau sehen wir jetzt Collectibles wie Vinicio Vanellos von der Atombombenwolke inspirierte Form oder die opaken Objekte der Manufaktur Barovier & Toso. Indem die Farbpigmente am Schmelzen gehindert wurden und so sichtbar bleiben, erinnern sie an Gläser der römischen Antike.

Peter Kogler, Murano 2026. Courtesy Barovier & Toso

Peter Kogler im Palazzo Barovier & Toso

Noch heute dient ihr Palazzo mitten in Murano als Schauraum, in dem jetzt die beeindruckende Schau des österreichischen Künstlers Peter Kogler stattfindet (bis 21.2.2027). Zusammen mit den Glasbläsern übersetzte er seine zentralen Bildmotive wie Gehirne oder Ameisen in herrliche Glasobjekte. Nicht nur die Wände, sogar die eigens gefertigten Tischplatten und Vasen tragen seine typischen Röhren- und Netzstrukturen. Die Glasobjekte entstanden in der venezianischen Filigrana-Technik: Statt die Linien aufzumalen erzeugen feine Glasstäbe die parallelen Linien und ineinandergreifenden Muster.

Courtesy SALVIATI, 2026. NORMAN FOSTER

Murano-Lüster am Markusplatz

Das Herzstück der Venice Glass Week ist „Illumina il Mondo“ in den Bögen des Procuratie Vecchie genannten Gebäudes an der Nordseite des Markusplatz´. Bis Anfang November erleuchten 12 höchst ungewöhnliche Kronleuchter als frei zugänglicher Ausstellungsparcours die Arkaden: Internationale Designer interpretieren in enger Zusammenarbeit mit lokalen Glasbläsern die für Venedig so typischen Murano-Lüster neu. Der US-Künstler Arthur Duff legt 19 farbige, wie geöffnete Hände geformte Gläser übereinander, durch die das Licht fällt. In aufwendiger Kombination verschiedener Muraneser Traditionen verbindet die englische Designerin Betham Laura Wood japanische Formensprache mit venezianischer Glastradition. Der britische Stararchitekt Norman Foster forderte die Glasbläser der Manufaktur Salviati heraus, als er die von Straßenlaternen inspirieren, knallrot leuchtenden Arme aus geblasenem Glas zu einer Blüte formen ließ, die selbst tagsüber magisch leuchtet. Die Manufaktur ist mittlerweile so begeistert von dem Werk, das eine limitierte Produktion geplant ist.

veröffentlicht in: Die Presse, 20.9.2026