Chloe Wise – Die Welt ist ein einziges Chaos

23. Jun. 2026 in Ausstellungen

„Extrasensory – Choe Wise“, Kulturstiftung Basel H. Geiger, 2026. Foto: Kulturstiftung Basel H. Geiger / KBH.G

Ein Pflichttermin während der Art Basel-Woche ist der Besuch der Kulturstiftung Basel H. Geiger (KBH.G). Jetzt irritiert  Chloe Wise hier schon beim Eintritt mit ihrer gewaltigen Installation. 

2018 von der Schweizer Philanthropin Sybille Piermattei-Geiger in Basel gegründet, eröffnete der Kunstraum KBH.G 2020. Der Name geht auf ihren Großvater zurück, der das Unternehmen GABA inklusiv der Zahnpasta Elmex gewinnbringend verkaufte und seiner Enkelin ein staatliches Vermögen vererbte. Die Stiftung sei keine Vergabe-, sondern eine Verbrauchsstiftung – das Kapital soll laut Statuten für ungewöhnliche Ausstellungen bei freiem Zugang für alle ausgegeben werden, wie KBH.G-Direktor Raphael Suter erklärt.

Chloe Wise zeigt Mode-Accessoir als Kunst

Jetzt sollte hier eigentlich Chloe Wises Schau „Extrasensory“ laufen. Die 1990 in Kanada geborene, in New York lebende Künstlerin wurde 2014 durch ihre täuschend echte, als Luxushandtasche mit Chanel-Kette inszenierte Bagel-Tasche bekannt. Die Modewelt hielt es für eine neue Kreation des Luxushauses, die sozialen Medien verstärkten die Verwechselung. Später wechselte Wise zu hyperrealistischer Malerei, eng angelehnt an Fotografien ihrer Freunde, für die sie Kleidung und Posen inszeniert.

Ausstellungsansicht „Extrasensory – Choe Wise“, Kulturstiftung Basel H. Geiger, 2026. Foto: Kulturstiftung Basel H. Geiger / KBH.G

Souveniershop oder Kunstraum?

Statt diese Werke zu sehen, betritt man in der Spitalstrasse 18 jetzt allerdings einen verstaubten Souveniershop. Überall steht  Krimskrams herum. Wer sich nicht beirren lässt, entdeckt dann eine schäbige Tür. Dahinter öffnet sich der „grüne Raum“ mit Mengen von Lichtern und Spiegelfolien  – ein „metaphysischer Raum zur Selbstreflexion“, wie es Wise im Gespräch nennt.

Ausstellungsansicht „Extrasensory – Choe Wise“, Kulturstiftung Basel H. Geiger, 2026. Foto: Kulturstiftung Basel H. Geiger / KBH.G

Chloe Wise´ 30 Minuten chaotische Welt

Im dritten Raum dann folgt ein 30minütiger, wirrer 3-Kanal-Film. Absurde Sätze wie „Der Hund ist schon wieder gestorben“ oder „Natur ist ein freies Marktsystem“ werden wie ein Mantra von Figuren wiederholt, die ihren Blick in das Universum richten. Oder als Engel im rosaroten Raum schweben, sich dabei mal wie biblische Gestalten, dann wie Modells auf dem Laufsteg gerieren. Ein Teufel tritt auf, dann ein Alien mit riesigen Glupschaugen – gespielt von der Künstlerin selbst.

Filmstill „Extrasensory – Choe Wise“, Kulturstiftung Basel H. Geiger, 2026. Foto: Kulturstiftung Basel H. Geiger / KBH.G

Phänomene, Glauben, Metaphysik

Der Film sei intuitiv angelegt, erklärt Wise. Es gehe um jene „Phänomene“, wie sie es nennt, wo Worte nicht mehr reichen: Unerklärliches wie UFOs, Religionen, Gott und Gurus, Erleuchtungen, Parawissenschaften. Die 3-Kanal-Projektion versteht sie dabei als Referenz an einen Altar.

Der Shop zeige, wie wir mit solchen Phänomenen umgehen: als billige Vermarktung der metaphysischen Erfahrungen: Alle CDs, Streichholzschachteln, Postkarten und sogar Feuerzeuge sind mit Figuren aus dem Film verziert.

„Extrasensory“ ist eine traumartige, surreale, in Bildsprache und Bedeutungsebenen übervolle Inszenierung, die Bibel, Mythologie, Esoterik, Popkultur bis zur Filmgeschichte zu einem verwirrenden Kosmos vermengt, ohne uns irgendetwas erklären zu können oder wollen – eine Schau, die mehr über unsere Zeit als über ´Phänomene´ erzählt: Es ist keine Suche nach Klarheit, sondern ein Inszenieren bruchstückhafter Widersprüche – eine Affirmation der Verwirrung. 

veröffentlicht in: Kunstforum online, 15.6.2026