Erstmals findet die Pulkautal Biennale statt, in exotischen Orten wie ein ehemaliges Feuerhaus, in Lesehäusern und tief unten in Weinkellern – Kunst auf dem Land, die zudem noch auf eine große Gefahr aufmerksam macht.
Sanfte Hügeln, fruchtbare Felder mit knallgelben Sonnenblumen, Weinberge soweit das Auge reicht und dazwischen all die malerischen Kellergassen – klingt kitschig? Mag sein, aber so schön ist das Pulkautal im niederösterreichischen Weinviertel tatsächlich.
Gelebte Natur bewusst machen
Und damit das erstens so bleibt und zweitens auch bewusst wahrgenommen wird, findet jetzt neun Tage lang in Hadres und Untermarkersdorf die Premiere der Pulkautal Biennale statt. „In Kunsträumen sieht man oft einen offensiven Naturbezug, wenn Künstler Pilze nachbauen, Steine oder Bäume aufstellen. Das ist ein Zeichen von Entfremdung. Wir wollen das in den ländlichen Raum verschieben, die gelebte Natur bewusst machen“, erklärt Gründerin Elisabeth von Samsonow.

Hermann Nitsch, Weinviertel Altar, Installation Pavillon Emma Kersten. Pulkautal Biennale 2026. Foto: Maresa Jung
Über 50 Künstler stellen aus. Der Großteil lebt hier, zumindest am Wochenende. Es sei „wie ein Feld, dass bestellt werden muss“, so Samsonow. Ihre Werke sind auf 14 Orte verteilt. Sie gastieren in dem vom Architekten Charly Pruscha zum eleganten Ein-Raum-Haus umgebauten, ehemaligen Presshaus von Emma Kersten, wo Kerstens Objekte auf ein riesiges, die gesamte Raumlänge ausfüllendes Altarwerk von Hermann Nitsch treffen.
In Samsonows ehemaligen Weinkeller überrascht Anna Heindls hochwertiges Schmuckstück „Engel“ neben Frenzi Riglings frei im Raum hängenden, aus Blumennamen geformten Text-Girlanden.

Installation mit Erwin Wurm, Elisabeth von Samsonow, Frenzi Rigling, Anna Heindl, Peter Kogler. Pulkautal Biennale 2026, Foto: Leo Pluschkowitz
Ein Krokodil im Weinkeller der Pulkautal Biennale
Tief unten in dem labyrinthischen, in den Lössboden gegrabenen Weinkeller hat Armina Handke ein mit aussortiertem Gewand bekleidetes Schwimmtier-Krokodil in eine Nische gesetzt – es sei Österreichs älteste Kellergasse, datiert auf 1570, erklärt Kuratorin Romana Schuler beim Rundgang.
Sie präsentiert im ehemaligen Feuerwehrhaus von Hadres Werke von 21 Künstlern, darunter Peter Weibels Gedicht von 1972 über die „unendliche Pornographie der Natur“, ein Wolkenbild von Eva Schlegel und Zeichnungen von Samsonow.

Manfred Wakolbinger, Star Gazer, Pavillon Emma Kersten, Pulkautal Biennale 2026. Foto: Leo Pluschkowitz
Landschaft – als Akteur, als schützenswertes Gut
Gemeinsam ist allen Werken das Thema Landschaft, als Rahmen, als ästhetischer Faktor, als Akteur und als schützenswertes Gut – was besonders für Samsonows Werke zutrifft. Hier im Pulkautal entlang des gleichnamigen Flusses gebe es eine enorme Biodiversität mit einer außergewöhnlich großen Artenvielfalt, erzählt sie.
Aber weil die Region ökonomisch schwach sei, sehe die Politik die Hügel und Felder als potentielle Flächen für Industrie, „die Hälfte der Landschaft soll dem weichen“, ergänzt Schuler. Alle drei Wochen würden „Energiekeiler“ bei den Politikern vorsprechen und viel Geld versprechen.
Kampf gegen den Windpark
Schon vor mehr als zehn Jahren wurde hier ein Windpark genehmigt – dabei leben im Pulkautal so seltene Vögel wie Seeadler und Rotmilane, sogar ein Kaiseradlerpaar hat sich hier jüngst angesiedelt und brütet Nachwuchs aus. Darum erhebt die Bürgerinitiative „Zukunft Pulkautal“ scharfen Einspruch gegen den geplanten Windpark, der „genauso gut einige Kilometer entfernt auf einem Industriegelände errichtet werden könnte“, betont Samsonow.
Die Adler und ihre drei Küken sind zentrale Motive ihrer Zeichnungen und Bilder. Die Biennale sei nicht nur ein Kunst-Vergnügen, betont sie. Mit dem Festival könne man auch den Umstand nutzen, dass Kunst Aufmerksamkeit verschafft. Die Zivilgesellschaft sei bereits aufgeweckt, der Verein habe rund 2000 Mitglieder.
Der Göttinnen-Pavillon in Alberndorf
Jetzt müsse die Politik reagieren, und zwar am besten auf Bundesebene: Warum gibt es keinen bundesweiten Energieplan, fragt sie. Diesem Kampf ist auch ihr „Göttinnen-Pavillon“ in Alberndorf gewidmet.
Der zehneckige Bau dient als Forschungs- und Performanceraum, hier werde in Diskussionen, Vorträgen und auch Ritualen „Landschaft als künstlerisches Medium verstanden“, so Samsonow. Er liegt in der Nähe bedeutender paläolithischer Fundstellen, Samsonow nennt es einen „kulturellen Erinnerungsraum“, in dem Göttinnen nicht religiös verstanden werden, sondern als Symbol für Fürsorge und Verbundenheit mit der Erde.
Dieser Pavillon ist kein Ausstellungsort des Parcours. Thematisch aber ist es sicher ein Herzstück dieser Pulkau Biennale, die Landschaft als kulturellen und ökologischen Akteur auch für zukünftiges Leben sichern will – gäbe es einen besseren Grund für ein Kunstfestival?
veröffentlich in: Die Presse, 13.7.2026
Pulkautal Biennale, 11.-19.7.2026
