
Stefan Gierowski (links), Andile Dyalvane (rechts), Installationsansicht „Aether Commons: Refracted Cosmologies“, Stefan Gierowski Foundation, Warschau 2026. Foto: Adam Gut. Courtesy Stefan Gierowski Foundation.
Seit 2022 finden in der Stefan Gierowski Foundation in Warschau spannende Ausstellung mit und um den polnischen Maler statt – jetzt erstmals mit einer globalen Künstler:innenauswahl.
Mitten im Zentrum von Warschau steht ein fünfstockiges Haus mit tiefschwarz eingefärbtem Erdgeschoß. Diese auffällige Gestaltung dient als Eye Catcher für einen der wichtigsten Kunsträume in der polnischen Hauptstadt. Denn hier befindet sich im ersten Stockwerk die Stefan Gierowski Foundation. Die Stiftung organisiert Ausstellungen mit und um den Nachlass des polnischen Malers, der sich nach dem politischen Tauwetter von 1956 von der Figuration zur Abstraktion zu wandte. Gierowski gilt als einer der bekanntesten Vertreter der Nachkriegs-Avantgarde. Schon 2014 gründete er seine Privatstiftung. 2022 starb er mit 97 Jahren.
Heute arbeiten Enkel Łukasz Dybalski und Enkelin Natalia Gierowski für die Foundation. Ziel der Familienstiftung ist die Bewahrung, Aufarbeitung und Präsentation des künstlerischen Erbes. Nur wenige seiner Werk belangten bisher in den Auktionshandel, wo frühe Bilder bis auf 200.000 Euro hochgehen. Eigentlich möchten sie nur wenig veräußern, erklären sie. Ihr Ziel sei es vorrangig, den Großvater mit dem Ausstellungsprogramm der Foundation in einen zeitgenössischen, internationalen Kontext zu stellen. Ein erster Schritt dafür war die Dialogschau mit dem US-Maler Sean Scully 2024. Jetzt eröffnete vor wenigen Tagen „Aether Commons: Refracted Cosmologies“. Unter diesem sperrigen Titel präsentiert der nigerianische Gastkurator Azu Nwagbogu elf Künstler*innen plus 14 Werke von Gierowski – erstmals eine globale Schau in der Stiftung.
„Aether Commons: Refracted Cosmologies“
Dafür greift Nwagbogu eine zentrales Thema des polnischen Meisters auf: Wie entsteht Licht im Bild? Ab Ende der 1950er hatte der Maler begonnen, die Beziehungen von Licht, Farbe, Raum und Wahrnehmung zu erforschen, in den 1970ern mit der pointilistischen Nebulosität, in der monochrome Rechtecke zu schweben scheinen; ab den 1980ern mit der emotionalen Wirkung von oft gestisch aufgetragenen Farben. „Im Grunde geht es um das Licht, das zwischen dem Auge und dem Bild entsteht. Also um das Licht, das das Bild ausstrahlt“, erklärte er einmal.
Lichtphilosophien
Nwagbogu führt diesen Ansatz mit „anderen Grammatiken, anderen materiellen Lichtphilosophien“ (Pressetext) aus unterschiedlichen Kulturen zusammen, gebündelt in einem dreiteiligen Konzept: „Material Alchemy“, also von Materialien ausstrahlendes Licht; „Perceptual Fields“ für Licht als Wahrnehmungsphänomen und „Expanding Light´s Vocabulary“ für kulturelle bis kosmologische Vorstellungen von Licht.
´Licht´ ist dabei ein dehnfähiger Begriff, wenn Modupeola Fadugha (1985, Nigeria) die Leinwände vorsichtig mit Feuer bearbeitet, oft kombiniert mit Mengen von kleinen, motivisch zusammengefügten, lichtreflektierenden Perlen. Am spannendsten ist die Gegenüberstellung Gierowskis mit Satch Hoyt (1954, Berlin). Hoyt kombiniert in seiner Gittermuster-Serie winzige Partikel von zerschmettertem Buntglas mit Acrylfarben und Pigmenten, was einen alchimistischen Glanz erzeugt.

Esther Mahlanagu (links), Mona Hatoum (Boden), Stefan Gierowski (hinten), Installationsansicht „Aether Commons: Refracted Cosmologies“, Stefan Gierowski Foundation, Warschau 2026. Foto: Adam Gut. Courtesy Stefan Gierowski Foundation.
Neben Esther Mahlangus (1935, Südafrika) strengen Geometrien wirken Gierowskis Abstraktionen erstaunlich poetisch und neben Andile Dyalvanes (1987, Nigeria) von innen leuchtenden Glasobjekt wirkt sein ´inneres Licht´ nahezu magisch. Nwagbogu schafft es mit den diversen Kombinationen bis hin zu Mona Hatoum, Olafur Eliasson und William Kentridge, Gierowskis Werke facettenreich zu aktualisieren.
veröffentlicht in: Kunstforum online, 3. Juni 2026
Stefan Gierowski Foundation, Warschau, Aether Commons: Refracted Cosmologies, 30. Mai – 18. Oktober 2026