NOMAD Monaco – Designfieber an der Riviera

09. Okt. 2018 in Kunstmarkt, Kunstmesse

Elmgreen & Dragset, Gallery Massimo de Carlo. Courtesy NOMAD Monaco

Elmgreen & Dragset, Gallery Massimo de Carlo. Courtesy NOMAD Monaco

Monaco, das war einmal der Inbegriff des mondänen Lebens. Mit Grace Kelly regierte in den 1950er Jahren die schönste Frau der Welt das kleine Fürstentum an der Riviera. Damals verbrachten hier die Schönen und Reichen die kalte Winterzeit. Legendär war das Spielkasino, über das jahrzehntelang der Staatshaushalt Monacos gedeckt wurde. Europas feinste Luxus-Hotels und ein elitärer Badestand lockten bald auch Sommergäste. Fürst Albert änderte daraufhin sein Konzept und ließ Massentourismus zu. Scharenweise fluteten Kreuzschiff-Gruppen die engen Gassen.

Villa La Vigie, Courtesy NOMAD

Villa La Vigie, Courtesy NOMAD

Ende des 20. Jahrhunderts war der Glanz verblasst. Da half es auch nichts, dass der berühmte Modeschöpfer Karl Lagerfeld zehn Jahre lang hier die traditionsreiche Villa La Vigie auf einem Felsen hoch über dem berühmten Hotel Monte Carlo Beach bewohnte. Aus mysteriösen Umständen zahlte er dort nie Miete. Eine Geschichte erzählt, die Villa stehe auf französischem Boden, weshalb Lagerfeld plötzlich Steuern nachzahlen musste – denn auch das gehört zu den Eigenheiten des kleinen Landes: Hier lebt es sich eigentlich steuerfrei. Offenbar erließ ihm Fürst Albert daraufhin die Miete. Fakt jedenfalls ist, dass Lagerfeld noch heute eng mit dem Fürstenhaus befreundet ist – und vielleicht ja auch Pate stand bei der jüngsten Entwicklung. Denn der kleine Staat sucht den Weg zurück zum Elitären, und der Weg dahin führt über Kunst und Design.
Dazu gehört die „Kunst des Spielens“, wie es Pressechefin Sylvie Cristin von der Societe des Bains de Mer nennt: Das Konzept des Kasinos wird wieder auf Exklusivität umgestellt, indem nur mehr der erste Raum mit Slot-Maschinen öffentlich ist. Schon der nächste Bereich kostet Eintritt, andere sind nur auf Einladung erlaubt – man möchte die High Roller zurückgewinnen, jene Spieler, die auch mal einige Millionen verzocken. Vor allem aber gehören Kunst und Design dazu. In der historischen Villa Sauber findet noch bis Ende Oktober die große Einzelausstellung von Latifa Echakhch statt, für die die französische Künstlerin eine von Monaco inspirierte Kulissenarchitektur baute und wunderbare Videos mit den historischen Figuren aus der museumseigenen Sammlung drehte: Die kleinen Automaten scheinen in ihren Videos wie lebensgroße Menschen, geheimnisvoll und voller Leben. Nach Ende der Ausstellung im Oktober wird das Haus für die Renovierung und vor allem Erweiterung geschlossen, um dann mit einem neuen unterirdischen Geschoß erstmals die ständige Sammlung zeigen zu können. Ganz vorne beim Umwandlungsprozess steht zeitgenössisches Design.

Lobby des Hotels Monte Carlo Beach, Design

Lobby des Hotels Monte Carlo Beach, Design India Mahdavi

Zum 80. Jubiläum des legendären Hotel Monte-Carlo Beach schuf India Mahdavi für die Zimmer und das Luxusrestaurant Elsa ein neues Design. Im berühmten Hotel de Paris wurden sämtliche Zimmer renoviert, jedes ist individuell möbliert. Die Krönung ist die Prinzessin Grace Suite für 40.000 Euro pro Nacht auf 910 Quadratmeter mit eigenem Pool und einem exklusiven Tischfußballer von Debuchy by Toulet auf der Terrasse.

Suite Princesse Grace, Hotel De Paris, Monaco

Suite Princesse Grace, Hotel de Paris, Monaco

Monaco soll wieder für Luxus stehen und das beginnt zu wirken. Schon haben zwei Messen den Standort entdeckt: Seit 2016 findet die Kunstmesse Artmonte Carlo in den hellen Hallen des Grimaldi Forum statt, an der alles teilnimmt, was Rang und Blue-Chips hat, von Perrotin aus Paris bis Gagosian aus New York. Seit 2017 läuft zeitgleich die Designmesse NOMAD Monaco, die vier Tage lang in der Villa La Vigie residiert. Man meint noch die Spuren von Karl Lagerfeld zu sehen, der hier auf 600 Quadratmeter für die sechs Schlafzimmer drei luxeriöse Marmorbadezimmer einbauen ließ. Dank der von Giorgio Pace und Nicolas Bellavance-Lecompte gegründeten Messe ist die sonst streng gesicherte Villa ausnahmsweise für Besucher öffentlich.

Etage Project auf der NOMAD Monaco 2018 in der Villa La Vigie

Etage Project auf der NOMAD Monaco 2018 in der Villa La Vigie

Während der NOMAD Monaco ist jeder Raum anders möbliert, denn die Galerien zeigen komplette Interiors mit Collectibles, wie die Design-Sammlerstücke genannt werden. Die Preise für Lampen, Sofas, Sessel, Tische und Vasen liegen da oft bei 20.000 Euro aufwärts. Auf der NOMAD Monaco ist nahezu jedes Objekt ein Einzelstück, Etage aus Kopenhagen zeigte Sabine Marcelis farbige Spiegel, die stolze 4.700 Euro kosten.

Misha Kahn, Courtesy of Friedman Benda, Misha Kahn, & Estudio Campana Photography by Giulia Piermartiri

Misha Kahn, Courtesy of Friedman Benda, Misha Kahn, & Estudio Campana
Photography by Giulia Piermartiri

Die US-Designgalerie Friedman Benda bot die fröhlich-kitschigen Sitzkombinationen von Misha Kahn an, die bis in den dreistelligen Bereich hochgehen. Der Markt für Collectibles habe sich um die Jahrtausendwende parallel zum Kunstmarkt entwickelt, erklärt Bellavance-Lecompte. Anfangs sei es ein Nischenmarkt gewesen, der jetzt stark wachse. Giorgio Pace: „Wer Kunst kauft, kauft oft auch hochwertiges Design.“ Die meisten Kunden von NOMAD denken über die Preise kaum nach, denn ihnen gelten die Sammlungsstücke als Ausdruck ihres Lebensgefühls: Design als Inbegriff von zeitgenössischer Mondänität. Auch Fürst Albert besucht die Messe, vielleicht lässt er sich dort für die weiteren Möblierungen seiner Luxushotels inspirieren. Was er ankauft, bleibt ein strenges Geheimnis. Wie wichtig ihm Design ist, das allerdings kann jeder Gast im neuen Monaco sehen, das nicht zuletzt dank Design wieder für Luxus steht.