Hoch politisch legt die Yarat Foundation in Baku ihre Ausstellung an: Jahrhundertelang waren Iran, Türkei, Azerbaijan, Russland und Georgien kulturell und geographisch verbunden, bis die unterschiedlichen politischen Systeme zu starken Veränderungen führten. In „Love Me Love Me Not“ bringt Kuratorin Dina Nasser-Khadivi die Kulturen jetzt wieder zusammen – über Kunstwerke.
Die 16 KünstlerInnnen, die teilweise in New York oder London leben, stammen aus dieser Region und nehmen in der Yarat Foundation auf den regionalen Kontext explizit Bezug: „They are meant to facture elements of ´national´ identity to the exhibit“, „forgotten connections to their roots“, erklärt Nasser-Khadivi.
So betont Ali Banisadr (Iran) mit seinem Wrk in der Yarat Foundation das Zoroastrian concept of the heroic in seiner Malerei; Mahmoud Bakhshi (Iran) lässt tiefschwarzes Öl eine glänzende Pyramide hinunter rinnen – ein Tempel und ein stinkendes Mahnmal in einem. In seinem Film „The King of Black“ greift Shoja Azari (Iran) das Gedicht „Seven Beauties“ von Nizami aus dem Jahr 1197 auf: Der König sucht den Grund des Leidens zu ergründen und wird dabei von den Schönheiten im Paradies verführt.
Sein Film sei eine Allegorie über Geduld, Verführung und den unerfüllbaren Wunsch nach Perfektion, erklärt Azari. Andere reagieren mit sarkastischem Humor wie Farid Rasulov (Russland), der Glasmosaike brachial zwischen Betonplatten einklemmt – ein starkes Bild für die rapiden architektonischen Veränderungen vor allem in Azerbaijans Hauptstadt Baku.
Premiere in Venedig
Die Ausstellung, die bereits 2013 während der Biennale Venedig im Arsenale zu sehen war, findet hier im 2012 eröffneten Heydar Aliev Center statt. Von Zaha Hadid erbaut, ist es Bakus neues, futuristisches Kulturzentrum. Vor diesen viel zu geschwungenen Wänden und inmitten der platzintensiven Freiflächen betonen Rasulovs Skulpturen umso mehr den immer schmaler werdenden Raum für Traditionen. Erinnerung und Nostalgie thematisiert auch Aida Mahmudova mit ihrer Skulptur aus ornamental geformten Spiegeln, die ein verwirrendes Schattenspiel erzeugen. Mahmudova ist zugleich auch die Gründer der 2011 gegründeten Yarat Foundation, die mit dieser Ausstellung die junge Kunst aus Azerbaijan im regionalen Kontext neu verankert. Dieser Kontext ist dabei erstaunlicherweise nicht politisch oder geographisch konnotiert, sondern zeigt, welche Aktualität Traditionen als zentrale driving force zukommt.
Love Me Love Me Not in der Yarat Foundation, Baku, 3. April – 25. Mai 2014
in engl. Übersetzung veröffentlicht in: Artforum online, April/Mai 2014