
Giuditta Branconi, Kanonenfutter, Ausstellungsansicht Collezione Maramotti, Reggio Emilia. © Giuditta Branconi. Courtesy Künstlerin; L.U.P.O Gallery, Mailand. Foto: Dario Lasagni
Max Mara Prize for Women wird global, im Stammsitz in Reggia Emilia zeigt Giuditta Branconi ihre Solo-Ausstellung „Kanonenfutter“
Seit zwanzig Jahren wird im Namen des Modeunternehmens Max Mara im Zweijahresrhythmus einen Preis für aufstrebende Künstlerinnen verliehen – als Hommage an weibliche Kreativität, wie es erklärt wird. Bisher in Kooperation mit der britischen Whitechapel Gallery, hat die Eigentümerfamilie Maramotti jetzt eine gravierende Veränderung bestimmt: Der bisher auf europäische Künstlerinnen ausgerichtete Max Mara Prize for Women wird global.
Max Mara Prize in Indonesien
Ab diesem Jahr übernimmt die in New York lebende Italienerin Cecilia Alemani die Auswahl eines jeweils wechselnden Landes bzw. Institution für die Preise. Den Auftakt macht das MACAN im indonesischen Jakarta.
Sechs Monate in Italien
Der Preis beinhaltet einen sechsmonatigen Aufenthalt in enger Zusammenarbeit mit einem Kunsthandwerk in Italien. Plus einer Ausstellung in der Fondazione Maramotti in Reggio Emilia in der zum Museum umgebauten, ehemaligen Max-Mara-Produktionsanlage. Hier ist die herausragende Sammlung mit Kunst seit den 1960er zu sehen – eine der wenigen und sicher eine der besten, öffentlich zugänglichen Privatsammlungen in Italien. Dazu läuft ein ganzjähriges Programm mit Wechselausstellungen.

Giuditta Branconi, Kanonenfutter, Ausstellungsansicht Collezione Maramotti, Reggio Emilia. © Giuditta Branconi. Courtesy Künstlerin; L.U.P.O Gallery, Mailand. Foto: Dario Lasagni
Soloschau von Giuditta Branconi in Reggio Emilia
Hier eröffnete jetzt „Cannon Fodder“ von Giuditta Branconi. Die 1998 geborene Italienerin zeigt fünf neue Bilder plus einem begehbaren Bild-Pavillon. Ihr Ausgangspunkt sei „das Desaster unserer aktuellen Welt“ gewesen, erzählt sie bei der Eröffnung.
Aber dann nahm es einen anderen Lauf: Ihre faszinierenden, in leuchtenden Tageslichtfarben bemalten Leinwände sind wie eine Tapete dicht bevölkert von Hunden, Vögeln, Schmetterlingen, Haarschleifen, Sternen und vor allem Blumen. Dazwischen stehen Sätze mit tagespolitischen Bezügen, aber auch Literaturzitaten in vielen Sprachen. Bemalt von vorne und hinten, scheint manches durch, vieles ist überlappend – ihre Bilder seien „wie ein Puzzle“, aber auch wie „ein Tagebuch“, erklärt sie. Es komme „mehr und mehr und mehr hinzu, bis eine Balance im Raum“ erreicht sei. Die Blumen benötige es für den Rhythmus. Am Ende seien ihre Bilder immer „lieblich“ – intensive Bildwelten, in die man beim Betrachten immer tiefer hineingesogen wird.
Shortlist für den 10. Max Mara Prize
Während Maramottis Ausstellungsprogramm vornehmlich auf junge nationale Kunst fokussiert, wird der 10. Max Mara Prize for Women eine Künstlerin aus dem Globalen Süden nach Italien holen. Die Jury unter Vorsitz von Cecilia Alemani, MACAN-Direktorin Venus Lau, Kuratorin Amanda Ariawan, Galeristin Megan Arlin, Sammlerin Evelyn Halim und Künstlerin Melati Suryodarmo hat sich für die Shortlist für Betty Adii, Dzikra Afifah, Ipeh Nur, Mira Rizki, Dian Suci entschieden. Die Entscheidung wird während der Biennale Venedig im Mai bekanntgegeben.
Diese Neuausrichtung könnte zu einer Herausforderung werden, wie der Firmenchef Luigi Maramotti zugibt. Denn die Preisträgerinnen benötigen mehrmonatige Visa für Italien. Ihnen sei vom Außenministerium Unterstützung dabei zugesagt – und Kunst können Grenzen überwinden, ist er sich sicher.
veröffentlicht in: Kunstforum online, 9.3.2026
Betty Adii
Dzirka Afifah

Dzikra Afifah, Fragilization by Landscape, 2024. Keramik. © Dzikra Afifah. Ph. Yohanes Rian Yustianto
Ipeh Nur
Mira Rizki
Dian Suci








