Paula Rego im Munch Museum Oslo

25. Apr. 2026 in Ausstellungen

Installationsansicht Paula Rego: Dance among Thorns, MUNCH, Oslo, 2026. Foto: Ove Kvavik/© Munchmuseet

In Oslo wird Paulo Rego erstmals zusammen mit Munch ausgestellt – in einem Parcours drastischer Emotionen.

Paula Rego ist die wichtigste Künstlerin Portugals, erhielt in England große Soloausstellungen, wurde 2010 zur „Lady“ ernannt und 2021 mit einer umfassenden Retrospektive in der Tate Gallery London gefeiert. Jetzt findet im Munch Museum in Oslo ihre umfassende Soloschau „Dance among Thorns“ mit über 140 Werken in vier Sälen statt – darunter ein erst spät entdecktes Werk, das hier erstmals zu sehen ist: „Drought“ von 1953. In der emotional intensiven Komposition der alleinstehenden Frau mit dem Skelett-Baby ist deutlich Edvards Munchs Einfluss auf die damals 18jährige Künstlerin zu sehen. Kuratorin Hanne Beate Ueland erwähnt dazu Regos Brief 1951 an ihre Mutter, wie beeindruckt sie von der Ausstellung des „norwegischen Malers“ sei.

Geboren 1935, wuchs Rego in Lissabon auf. Portugal stand damals unter der brutalen Herrschaft des Diktators Antonio de Oliveira Salazar. Mit 16 geht sie nach England, studiert dort Kunst, wird 1990 erster „Artist in Residence“ der National Gallery. 2022 stirbt sie in London. „Meine Lieblingsthemen sind Machtspiele und Hierarchien“, erklärte sie einmal, und betonte oft in Interviews, dass sie Geschichten male. „Geschichten helfen gegen Angst.“ 

Installationsansicht Paula Rego: Dance among Thorns, MUNCH, Oslo, 2026. Foto: Ove Kvavik/© Munchmuseet

Ihre hochpolitischen Collagen in den 1960er thematisieren die Diktatur, in ihrer großartigen, acht Meter langen Tapisserie „Schlacht von Alcacer Quibir“ (1966) aber auch die kolonialistische Militärkampagne gegen Marokko 1578. Das Werk war eine Auftragsarbeit für ein Hotel, wurde jedoch wegen des politischen Inhalts abgelehnt. In späteren Serien greift sie Märchenfiguren wie Pinocchio oder Schneewittchen auf oder kreiert diese guseligen Puppen, die im Munchmuseum in eigens entwickelten Vitrinen mit einer Bodenbeleuchtung perfekt präsentiert sind. Diese Puppen und auch ihre Malerei sind alles andere als lieblich, von Beginn an thematisiert sie düstere Themen, zeigt Unterdrückung, Gewalt, aber auch weibliche Selbstbestimmung.

Installationsansicht Paula Rego: Dance among Thorns, MUNCH, Oslo, 2026. Foto: Ove Kvavik/© Munchmuseet

Während der Abtreibungsdebatte in Portugal trugen die radikalen Bilder ihrer „Abtreibungs“-Serie (1998-´99) maßgeblich zur 2007 erfolgten Entkriminalisierung bei. Die Frauen sind darin schmerzverzerrt und verzweifelt, aber weder als Opfer noch idealisiert dargestellt. Herausfordernd ist „Oratorio“, zugleich Altar-Bild und Horrorkabinett, in dem sie einige ihrer grotesken Puppen vor ihre Gemälde stellt – eine Hommage an die Leiden von Waisenkindern. Damit endet der enorm eindrückliche Parcours durch „Dance among Throns“, der mit einer Gegenüberstellung von Munchs und Regos am Meer Tanzenden beginnt und in ihrer Welt der Ängste endet. 

veröffentlicht in: Kunstforum online, 24.4.2026