
Alexa von Wehren und Ensemble öff öff aerial dance, Werk Nr. 115,2026. Perfomance. Courtesy of the artist and Basel Social Club. Photo Silke Briel
Als wären die 290 Galerien auf der heurigen 57. Art Basel nicht genug, kommen noch einmal fast 400 weitere Aussteller in den parallelen Kunstmessen hinzu – und das ist gut so.
Denn während die Galerien auf der Hauptmesse zunehmend auf konservative Malerei und große Namen setzen, laden die kleineren Formate zum Entdecken ein.
Dafür steht ganz besonders die „Liste“, die 1996 als Gegenmodell zur Art Basel gegründet wurde. Anfangs im schmuddeligen Brauerei-Areal untergebracht, findet die Messe seit 2021 in der Halle 1.1 gleich neben der Art Basel statt. Zwar muss man statt eines einfachen Übergangs von Unlimited, der Art Basel-Sektion für Überdimensionales, einmal außen um den Block gehen. Aber der Weg lohnt sich.
Liste: erfrischend fröhlich
In einer offenen Nachbarschaftsarchitektur mit einem Platz für die Talks mittendrin stellen hier 105 Galerien aus 36 Ländern aus. Die Stände sind nahezu ident groß, das Angebot höchst divers, die Stimmung erfrischend fröhlich – wohl auch, weil die Galerien weitaus niedriger Standgebühren zahlen müssen als auf der Hauptmesse.
Gleich vier Galerien aus Wien nehmen teil, darunter Vin Vin mit Rose Ras. Die 2001 in Haiti geborene, in Paris lebende Künstlerin fräst in ihre auf Holz gemalten Bilder gerne Löcher aus, um das Thema der Explosionen noch einmal zu verstärken.
In der 2022 gegründeten City Gallery zeigt Antonia Lia Orsi frühe Fotografien von Gabriele Rothemann. „Haushaltshandgriffe“ beschreibt sie die Werke – oder auch „was alles schief laufen kann“. Daneben stehen die aus Fundmaterialien gebauten Skulpturen von Helena Huneke – höchst fragil, extrem poetisch, außergewöhnlich experimentell. Die Galerie vertritt den Nachlass dieser 2012 45jährig freiwillig verstorbenen Künstlerin, die zur Hamburger Künstlergruppe Isotrop gehörte. Die Werke werden nur an Institutionen verkauft, betont die Galeristin.

Esben Weile Kjaer, Lions! 2026_Installationsansicht, Courtesy of the artist and Basel Social Club. Foto Gina Folly
Zeit für Kuratoren
Wie sie berichten viele andere Aussteller von ausführlichen Gesprächen mit internationalen Kuratoren – was bei dem jüngsten Zugang der Parallelmessen kaum möglich ist. Denn der Basel Social Club (BSC) ist ein Hybrid zwischen Ausstellung, Messe und Event.
Als mit hohem Qualitätsanspruch kuratiertes Non-profit-Projekt wandert BSC seit 2021 jedes Jahr in andere Orte. Heuer füllen über 150 Teilnehmer die Räume des lange verlassenen, ehemaligen UBS-Hauptquartier gleich neben dem Hauptbahnhofs unter dem Thema „Office“.
QR-Code statt Standbetreuung
Vom Erdgeschoß führt der Weg entlang der Fitnessgeräte und Yoga-Klassen hinunter in labyrinthische Kellergänge, überall zweigen Wege ab, jeder Winkel ist mit Kunst gefüllt. Auf der Tür einer Herrentoilette läuft Valie Exports Video „Syntagma“, neben den Pissoirs hängen Zeichnungen und kleine Objekte. Aussteller ist der Wiener Projektraum Never At Home.
Solche Informationen findet man auf kleinen, aufgeklebten Labels. Statt Ansprechpersonen muss man sich meist mit einem QR-Code begnügen – Verkauf ist hier wohl nebensächlich.
Anders bei Maurizio Cattelans brandneuen Zeichnungen eines abstürzenden Mannes oder eines Sisyphos im Anzug. 35.000 Euro kosten die Unikate, erklärt Christophe Boutin von Three Star Books aus Paris – eines sei sofort verkauft gewesen, zwei reserviert.

Alexa von Wehren und Ensemble öff öff aerial dance, Werk Nr. 115, 2026. Perfomance Courtesy of the artist and Basel Social Club-Photo Silke Briel
Luftperformance von öff öff Areal Dance
Zu den Höhepunkten des BSC gehört das Performanceprogramm, das am Sonntag mit der „öff öff Areal Dance“-Gruppe unter Leitung von Alexa von Wehren begann. Seit 2013 nutzt die Gruppe die Vertikale für ihre spektakulären Choreographien in der Luft und an Hausfassaden, spielt mit Höhe und Leere, wechselt zwischen Schweben, Drehen, Fallen und Abfangen. Anders als Österreichs Superstar Florentina Holzinger, die den Mangel an tänzerischen und narrativen Elementen mit der Nacktheit der Akteurinnen ausgleicht, entwickeln die mit Seilen und Gurtsystemen gesicherten öff öff-Performer faszinierende tänzerische Bewegungen zwischen Himmel und Erde.
Am Abend gehen die Performances in einer Mischung aus Clubkultur, körperlicher Ekstase und Rave-Ästhetik dann in der Garage nahtlos in die Party bis 3 Uhr in der Früh über – denn auch das gehört zur Art Basel Week.
veröffentlicht in: Die Presse, 21.6.2026

