Thomas Krinzinger über eine neue Kunstmesse für Wien

17. Jul. 2026 in Interview

Thomas Krinzinger in einer Installation von Rosmarie Lukasser, Galerie Krinzinger, Wien 2026. Foto: SBV

Thomas Krinzinger erklärt im Gespräch mit Sabine B. Vogel, warum Wien eine Kunstmesse braucht und was dafür wesentlich ist.

Der Kunstmarkt wird immer größer, die Zahl der Käufer steigt,  Preisen auf Auktionen erreichen gigantische Höhen. Aber der Umsatz konzentriert sich auf wenige Mega-Galerien und Mega-Kunstwerke. Ist der Wachstum zu schnell, zu hoch gegangen und hängt die kleineren Galerien ab? Ist der Kunstmarkt zu global geworden und hat die lokale Szene vernachlässigt? Sind dies die Gründe, warum eine Gruppe Wiener Galerien für Herbst 2027 eine neue Kunstmesse in der Stadt planen? Wir fragen Thomas Krinzinger, der die 1971 von seiner Mutter Ursula Krinzinger gegründete, 1986 von Innsbruck nach Wien übersiedelte Galerie gemeinsam mit ihr leitet.

Thomas Krinzinger: Das sind wichtige Fragen, die wir uns alle stellen. Vor allem seit Corona hat sich die Situation sehr verändert. Davor waren die USA noch einer unserer wichtigsten Märkte – jetzt ist dieser Markt fast vollkommen weggebrochen.

Hängt das mit der Entwicklung der US-Mega-Galerien wie Gagosian oder David Zwirner zusammen?

Weniger, eher mit den dort alles dominierenden Diskursen. Wir arbeiten in unserer Galerie mit vielen Künstlern, die weiße Männer mit europäischen Wurzeln sind, selbst Künstlerinnen wie Monica Bonvicini bekommen in den USA nicht die Anerkennung, die ihnen zustünde. Es geht um die Herkunft der Künstler – oft mehr als um die Qualität. Wenn man die Museumsausstellungen der letzten fünf Jahre analysiert, sieht man eine klare Dominanz von schwarzafrikanischer Kunst.

Das zeigt sich ja auch auf der Hauptausstellung der Biennale Venedig heuer…

Thomas Krinziger. Foto: Carmen Alber

… ja, das sind Wellen. Für Galerien wie unsere ist in diesen Wellen wenig Platz.

Wie wichtig sind die Kunstmessen bei solchen Entwicklungen?

Messen sind auf jeden Fall ganz wichtig. Der lokale Markt ist oft zu klein. Vor Corona haben wir bis zu 14  internationale Messen pro Jahr gemacht. Da sieht man viel, lernt neue Kunden und Kollegen kennen. Man kann die Künstler der Galerie in tolle Sammlungen bringen, in Indien, in Asien, in Lateinamerika. Umgekehrt war es auch viel Arbeit und wirtschaftlich so intensiv, dass wir relativ wenig Zeit für die Betreuung des hiesigen Marktes mit den hiesigen Sammlern hatten. Das hat sich jetzt geändert.

Ist die Rückbesinnung auf den lokalen Markt ein Grund dafür, dass die Wiener Galerien jetzt eine neue Kunstmesse gründen?

Sicher auch. Wir sind eine Gruppe von 35 Galerien, die sich trifft, diskutiert und beschlossen hat, dass Wien eine Messe braucht. Der Markt hier ist gar nicht so klein, besser als in Berlin. Wien ist eine attraktive Stadt, was die Kunstproduktion, die Galerienszene, die Institutionen angeht. Wir wollen mit der Messe kein Geld verdienen, sondern einen sich selbst tragenden, starken Marktplatz schaffen. Ohne Messebetreiber im Hintergrund, eher wie das Modell der ARCO in Madrid.

ARCO gehört einem öffentlich-privaten Konsortium, Stadt Madrid, Autonome Gemeinschaft Madrid, Handelskammer und Fundacion Montemadrid, ist also maßgeblich von der Stadt und der Region getragen – kann das in Wien ähnlich funktionieren?

Wir hoffen es. Wir diskutieren viel darüber, freundschaftlich, solidarisch, offen. Noch haben wir keine Regeln, nicht einmal eine fixe Location.

Spark Art Fair Vienna 2021. Courtesy Spark Art Fair

Nächstes Jahr soll wieder die Kunstmesse Spark in den Marxhallen stattfinden – ist Potential genug für zwei internationale Messen in Wien?

Es gibt verschiedene Galerien-Szenen, da ist nichts gegen einzuwenden. Aber Spark bringt für den Standort Wien nichts. Spark findet im März statt, das ist für uns kein interessanter Termin. Wir müssen die Energien bündeln und das geht nur im September, wenn das Galerienfestival Curated By und die Messe Parallel stattfinden. Wir brauchen ein international hohes Niveau. Darum werden wir wenig Kompromisse machen – dann kommen auch die Galerien, die Sammler wieder.

Wollt ihr den Osteuropa-Fokus weiterführen?

Wir freuen uns, wenn gute Galerien aus der Region teilnehmen. Aber als eigener Fokus ist das zumindest für mich überholt.

veröffentlicht in: Die Presse am Sonntag, 12.7.2026